104 Veranstaltungen und ein Abschied

Die Mitgliederversammlung des Berliner Anwaltsvereins am 10. März 2026

WECHSEL IM VORSTAND

Erstmalig wurde die Mitgliederversammlung des Berliner Anwaltsvereins vom neuen Vorsitzenden Dr. Dietmar Kurze geleitet. Dieser erläuterte zunächst den Wechsel im Vorstand – der langjährige Vorsitzende Uwe Freyschmidt war zum Jahreswechsel 2025/2026 von seinem Amt zurückgetreten und als kooptiertes Vorstandsmitglied in den Vorstand gewählt worden. Der Vorstand wählte dann (gem. § 7 Abs. 8 der Satzung) Dr. Dietmar Kurze zum Vorsitzenden und Rechtsanwältin Barbara Hoeck-Eisenbach zur stellvertretenden Vorsitzenden. Rechtsanwältin Angélique Semmler wurde als weiteres kooptiertes Vorstandsmitglied in den Vorstand aufgenommen.

Zur Mitgliederentwicklung konnte er – abweichend vom Trend vieler anderer Anwaltvereine – mindestens eine konstante Entwicklung bekanntgeben.

  • 4027 Mitglieder am 1. Januar 2025
  • 4036 Mitglieder am 1. Januar 2026
  • 185 Beitritte im Vereinsjahr 2025

Über die speziellen Aktivitäten für Berufsanfänger*innen und jüngere Mitglieder berichtete Rechtsanwalt Allan Böhner, Regionalbeauftragter Berlin im FORUM Junge Anwaltschaft (davforum.de).

104 VERANSTALTUNGEN IM JAHR 2025

Im Tätigkeitsbericht des Vereins hob der Vorsitzende die 104 Veranstaltungen des Berliner Anwaltsvereins hervor – die rechtspolitische Reihe „Zuhören – Mitreden!“, die 13 kostenlosen Arbeitskreise, die Veranstaltungsreihe „Richter- und Anwaltschaft im Dialog“ gemeinsam mit KG, LAG, OVG, und LSG u. v. m. Ein besonderes Highlight im Jahr 2025 war der Deutsche Anwaltstag in Berlin mit fünf Fachveranstaltungen des Berliner Anwaltsvereins, dem Get-together in der Kulturbrauerei (fast 500 Teilnehmende) und dem – gemeinsam mit der Rechtsanwaltskammer Berlin ausgerichteten – Begrüßungsabend im Spreespeicher (572 Teilnehmende). Möglich waren diese großen Feste – darauf wies auch Schatzmeisterin Dr. Auer-Reinsdorff bei ihrem Kassenbericht hin – nicht zuletzt dank der großzügigen Unterstützung der RAMICRO Software AG.

ÖFFNUNG DER AUSSERGERICHTLICHEN VERTRETUNG FÜR RECHTS SCHUTZVERSICHERER?

Ein rechtspolitischer Schnellschuss kam im Jahr 2025 aus Bayern: den Beschlussantrag bei der Justizministerkonferenz, die außergerichtliche Vertretung auch den Rechts schutzversicherungen gesetzlich zu erlauben (RDG), mit dem erklärten Ziel, diese als „Gatekeeper“ zur Vermeidung von Zivilverfahren einzusetzen. Die Rechtsanwaltskammer Berlin und der Berliner Anwaltsverein konterten dies mit einer gemeinsamen Stellungnahme und der DAV mit einem Schreiben des DAV-Präsidenten Stefan von Raumer an die Landesjustizminister. Bayern erhielt keine – null Stimmen – Zustimmung.

EHRENAMTLICHES ENGAGEMENT – FÜR JUGENDLICHE UND FÜR KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN

Bewährtes Engagement im Berliner Anwaltsverein bei den zwei Beratungsangeboten für Anwälte: Die Beratungsangebote für Kolleginnen und Kollegen in finanziellen Schwierigkeiten (Kontaktaufnahme über die Geschäftsstelle Tel. 251 38 46) und das AnwaltMentoring für Mitglieder in den ersten zwei Jahren nach der Zulassung. Engagement für Jugendliche in unserer Stadt: die Rechtsberatung für Jugendliche des Berliner Anwaltsvereins hat sich im „Zilleklub“ und Jugendberatungshaus SOS.Mitte (Rathenower Str. 17, Nähe Strafgericht Moabit) stark entwickelt, und Anwältinnen und Anwälte gehen weiter in die Schulen.

Dr. Kurze betonte jedoch auch andere ehrenamtliche Aufgaben im Verein – wie die Organisation der Arbeitskreise – und ermutigte die Mitglieder, sich für ihre Beteiligung an allen diesen Projekten in der Geschäftsstelle zu melden: mail@berliner-anwaltsverein.de!

BERLIN UND EUROPA

Internationale Kontakte des Vereins und seiner Mitglieder haben im Berliner Anwaltsverein Tradition. Die vom Berliner Anwaltsverein in der Vertretung der EUKommission am Pariser Platz ausgerichtete 22. Berliner Konferenz der Europäischen Rechtsanwaltschaften am 7. November 2025 widmete sich einer Frage der Resilienz des Rechtsstaats: „Selbstverwaltung der Anwaltschaft – wie viel Staatsferne braucht eine freie Anwaltschaft?“ Mit dem Herbstempfang im Wasserwerk Berlin und dem Berliner Anwaltsessen im Hotel Palace gab es zwei außergewöhnliche und festliche Abende zum Feiern, Networken und nicht zuletzt zum Austausch auch mit unseren internationalen Konferenzgästen. Gegenbesuche des Vorstands bei der Präsidentenkonferenz in Wien und in Slowenien bestärken diese Kontakte.

Weiterhin beliebt bei Berliner Unternehmen und Anwaltschaft: die „Sprechstunde Recht“ von IHK und Berliner Anwaltsverein, die achtmal niedrigschwelligen Erstkontakt zwischen Anwältinnen und Anwälten und Unternehmer*innen herstellte.

REFORMEN IN DEN PROZESSORDNUNGEN IM FOKUS DES DAV

DAV-Präsident Stefan von Raumer, Rechtsanwalt in Berlin, berichtete als Gast über die Arbeit des Deutschen Anwaltvereins. Die rechtspolitische Arbeit richtet sich derzeit auf die anstehenden Prozessrechtsreformen (ZPO, StPO usw.). Der DAV plädiert weiter stark für den Anwaltszwang ab einem Streitwert von 5000 Euro – nicht zuletzt zur Entlastung und Professionalisierung von Verfahren vor den Amtsgerichten. Die audiovisuelle Dokumentation der Hauptverhandlung ist ein wichtiges Anliegen für den Strafprozess. Das Thema Resilienz des Rechtsstaats hat der DAV zunächst im Hinblick auf das Bundesverfassungsgericht (dessen Funktionsweise nun stark im Grundgesetz verankert ist) und dann auch im Hinblick auf die Bundesländer und auch die eigene Satzung stark vorangebracht.

Schatzmeisterin Dr. Auer-Reinsdorff erläuterte, wie sich bei einem unter den Anwaltvereinen etwa durch schnittlichen Vereinsbeitrag die Ausgaben des Vereins auf die verschiedenen Aufgaben verteilen. Auch die große (finanzielle) Herausforderung von zwei aufwendigen Abendveranstaltungen beim Deutschen Anwaltstag konn ten dank des Sponsorings, höherer Eigenbeteiligung der Gäste als in der Vergangenheit und der Unterstützung der Rechtsanwaltskammer Berlin und des DAV zu einem finanziell besseren Ergebnis als in der Vorausplanung gebracht werden. Der Haushaltsabschluss und die Planung für 2026 wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig gebilligt.

DANK FÜR ÜBER ZEHN JAHRE EINSATZ AN UWE FREYSCHMIDT!

Rechtsanwältin Claudia Frank kam die Aufgabe zu, Uwe Freyschmidt für mehr als zehn Jahre Einsatz für den Berliner Anwaltsverein – mit persönlichen Erinnerungen, Lob und Zukunftswünschen – zu danken. Die freie Berufsausübung, so Frank, habe zehn Jahre im Zentrum seiner Arbeit, Reden und Ideen für den Berliner Anwaltsverein gestanden. Uwe Freyschmidt ist auch weiter Mitglied des Vorstands des Berliner Anwaltsvereins und des DAV, und Vertreter des Berliner Anwaltsvereins in der Landesverbandkonferenz des DAV.

Heft 05 | 2026 | 75. Jahrgang