Die Kristallvase – The crystal vase
Astrid Goldsmith
London 2026, englische Originalausgabe
208 S., 24,90 Euro
ISBN 978-1787334311
Ein englischsprachiger Comic zum Nachdenken
Ein Buch als Comic. Mit wenig Worten und einer kurzen Geschichte aus dem gewöhnlichen Leben zeichnet die junge Autorin eine Realität und Geschichte vieler europäischer Familien.

Dr. Astrid Auer-Reinsdorff | Rechtsanwältin Berlin & Lissabon | Fachanwältin für Informationstechnologierecht | www.dr-auer.de
Der Tod der Großmutter in Freiburg ist Anlass für sie und ihren Vater, sich aus Belgien und Großbritannien auf den Weg zu machen, die Wohnung aufzulösen. Für die Enkelin eine schlicht erst einmal „nervige“ Aufgabe, und ihr Vater ist offenbar keine große Hilfe. Dort in der Wohnung und im Keller verfängt er sich in Erinnerungen und Sentimentalität und ist unfähig, pragmatisch zu handeln. Andere Familienmitglieder intervenieren aus der Ferne und letztlich scheint für diese der nachgelassene Hausrat mehr „Plunder“ als Wertvolles.
Ganz nebenbei werden die Fluchtgeschichten der jüdischen Familienmitglieder erzählt und es wird deutlich, welche Spuren diese in der Familienhistorie hinterlassen haben. Für den Vater der Autorin, Jonathan Goldsmith, bedeutete es, Jura studiert zu haben, als sichere und verlässliche Qualifikation, statt als Schriftsteller sein Glück zu suchen. Hier ist dann auch die Verbindung des Werkes in die Anwaltschaft – Jonathan Goldsmith war von 2001 bis 2015 Generalsekretär des Council of Bars and Law Societies of Europe (CCBE) – https://www.lawsociety.org.uk/about-us/our-governance/council-constituenciesand-current-members/jonathan-goldsmith.
Erst nachdem einige Zeit vergangen ist, kann die Enkelin sich des mitgebrachten nachgelassenen Hausrats annehmen und ihn und damit das Vergangene in ihr Leben integrieren. Diese Generation ist weit weg vom Geschehenen, dem Leid, der Hoffnung und dem Erlebten – hat aber die Chance, dies noch weiterzutragen und die Erinnerung in den über die Flucht geretteten Dingen zu erhalten – wie zum Beispiel einer Kristallvase.
Über Astrid Goldsmith
Astrid Goldsmith (@mockduckstudios) ist eine preisgekrönte Stop-Motion-Animatorin und Autorin, die in Folkestone, England, lebt. Ihre grafische Kurzgeschichte „A Funeral in Freiburg“ wurde von einer Jury, zu der auch Alison Bechdel gehörte, zum Gewinner des Observer/Jonathan Cape-Preises 2021 gekürt. Ihr Debüt als Graphic-Novel-Autorin, „The Crystal Vase“, basiert auf dieser Kurzgeschichte. Sie ist Autorin für animierte Fernsehserien und hält regelmäßig Gastvorlesungen an mehreren Universitäten.

