Deutscher Anwaltstag 2026 in Freiburg

Neues Format, vertraute Gesichter

Der DAT ist für viele Anwältinnen und Anwälte weit mehr als eine Fortbildungsveranstaltung. Er ist Treffpunkt der Anwaltschaft, Ort des rechtspolitischen Austauschs und Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen wiederzusehen, neue Kontakte zu knüpfen und Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen. Auch der DAT 2026 in Freiburg unter dem Motto „Anwaltschaft im Aufbruch – Zukunft gestalten“ hat diese Erwartungen erfüllt – und gleichzeitig mit einem neuen Veranstaltungsformat neue Wege beschritten.

Angélique Semmler | Rechtsanwältin | Fachanwältin für Miet- und WEG-Recht | Dozentin | www.immobilienanwaeltin.de

Erstmals war das Präsenzprogramm in vier Tracks gegliedert: Rechtspolitik, Zukunft, Netzwerk und Workshops. Mit diesem Pilotkonzept wollte der DAV das Kongressprogramm übersichtlicher gestalten, die Zahl der Parallelveranstaltungen reduzieren und den Teilnehmenden eine bessere Orientierung ermöglichen. Ob und in welcher Form dieses Konzept künftig fortgeführt wird, bleibt abzuwarten. Ich selbst muss offen gestehen, dass mir das Konzept erst nach dem DAT aufgefallen ist, dennoch finde ich den Versuch, den DAT weiterzuentwickeln, sehr gut.

Die Eröffnungsveranstaltung setzte gleich zu Beginn einen gelungenen Akzent. Die Reden des DAV-Präsidenten sowie der Gewinner:innen des DAV-Medienpreises, repräsentiert durch die Rede der Nachwuchspreisträgerin Özge Inan, boten nachdenkliche und zugleich motivierende Impulse. Besonders in Erinnerung bleibt auch das musikalische Rahmenprogramm: Johann Sundermeier beeindruckte mit einer außergewöhnlichen Darbietung, bei der er Blockflöte, Live-Elektronik und Loop- Technik miteinander verband und die Zuhörenden an seinem vielschichtigen Gesamtwerk auf nahezu hypnotisierende Weise teilhaben ließ.

Mindestens ebenso wichtig wie das Programm sind beim DAT seit jeher die Begegnungen. Auch in Freiburg zeigte sich wieder, was den Anwaltstag für viele ausmacht: Bekannte Gesichter wiederzusehen, neue Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und Gespräche zu führen, für die im Kanzleialltag oft keine Zeit bleibt. Es fühlte sich – wie so oft – ein wenig wie ein Klassentreffen an.

Dazu trug auch das Get-together in der Freiburger Markthalle bei. In lebendiger Atmosphäre bot die große Auswahl internationaler Speisen den passenden Rahmen für viele Gespräche und neue Kontakte. Auch der Empfang des Freiburger Anwaltvereins im Ballhaus war hervorragend besucht. Die beeindruckende Zahl der Teilnehmenden zeigte einmal mehr, wie wichtig der persönliche Austausch innerhalb der Anwaltschaft ist.

Besondere Erwähnung verdient das Young Lawyers Opening, das zum vierten Mal stattfand. Die Veranstaltung hat sich inzwischen als feste Größe des DAT etabliert. Dass diese Veranstaltung Jahr für Jahr so erfolgreich ist, ist vor allem dem Engagement der zahlreichen Organisator:innen zu verdanken. Auch in Freiburg lockte das Format wieder zahlreiche junge Kolleg:innen, Referendar:innen und Studierende an und bot einen unkomplizierten Rahmen zum Kennenlernen und Vernetzen.

Für mich selbst blieb leider nicht viel Zeit für Fachveranstaltungen. Eine Teilnahme war jedoch möglich bei der Diskussion der ARGE Anwältinnen unter dem Titel „Juristinnen im Gegenwind“. Die Debatte wurde engagiert, offen und teilweise durchaus kontrovers geführt. Besonders nachdenklich machte viele die Erkenntnis, dass zahlreiche der angesprochenen Themen die Anwält:innenschaft bereits seit rund 30 Jahren begleiten. Gerade deshalb bleibt es wichtig, diesen Themen weiterhin Raum zu geben und den Austausch darüber nicht abreißen zu lassen.

Eine kleine Enttäuschung bot das Begleitprogramm. Die angekündigte „Schokoladentour durch die Altstadt“ weckte die Erwartung, mehr über die Freiburger Schokoladengeschichte zu erfahren. Tatsächlich handelte es sich eher um eine klassische Stadtführung, die zwar interessant und informativ war, den angekündigten Schwerpunkt jedoch nur am Rande aufgriff.

Unterm Strich verbleibt ein positives Fazit. Der DAT lebt von den Menschen, die ihn besuchen, von den Gesprächen zwischen den Veranstaltungen, den zufälligen Begegnungen und den neuen Impulsen, die daraus entstehen. Auch Freiburg hat dies wieder eindrucksvoll bestätigt. Das Bestreben des DAV, den DAT an die sich stetig ändernden Bedürfnisse der Anwaltschaft anzupassen und mit der Zeit zu gehen, verdient Anerkennung.

Besonders erfreulich war, dass die junge Anwaltschaft in Freiburg vertreten war. Das FORUM Junge Anwaltschaft hat mit seinem Engagement wichtige Akzente gesetzt und gezeigt, wie bereichernd der Austausch zwischen den Generationen ist. Damit der DAT auch in Zukunft ein lebendiger Treffpunkt der Anwaltschaft bleibt, müssen wir diese Entwicklung gemeinsam weiter fördern und junge Kolleginnen und Kollegen noch stärker für die Teilnahme und das Engagement gewinnen.

Es liegt an uns allen, die Zukunft der Anwaltschaft aktiv mitzugestalten. Werben wir für die Mitgliedschaft in den örtlichen Anwaltvereinen. Machen wir auf das FORUM Junge Anwaltschaft und die Studierendenorganisation des DAV JurFuture aufmerksam. Laden wir Studierende, Referendar:innen sowie junge Kolleg:innen ein, sich einzubringen und Teil unseres Netzwerks zu werden. Denn nur mit einem starken und engagierten Nachwuchs wird der Deutsche Anwaltstag auch in Zukunft der lebendige Ort des Austauschs, der Fortbildung und der berufspolitischen Impulse bleiben, der er heute ist.

Den Termin für den DAT in Erfurt habe ich mir bereits notiert – und freue mich darauf, viele von Ihnen dort wiederzusehen.

Heft 10 | 2026 | 75. Jahrgang