Recht interessant

Podcastvorstellung

Juristische Themen müssen nicht trocken sein – das zeigt eine wachsende Podcast-Szene, in der diese verständlich, kritisch und oft unterhaltsam behandelt werden. Wir stellen Podcasts vor, die sich mit juristischen Fragen, aktuellen Urteilen, rechtspolitischen Debatten oder bekannten juristischen Persönlichkeiten beschäftigen. Die Beiträge erscheinen in lockerer Reihenfolge und laden dazu ein, einmal „Jura auf die Ohren“ auszuprobieren.

Angélique Semmler | Redaktion Berliner Anwaltsblatt

1. Bitte stellen Sie den Podcast kurz vor und erklären, worum es inhaltlich geht.

(R)ECHT INTERESSANT! ist der älteste meiner Podcasts und richtet sich an die Jura-Family und alle Interessierten. Schon seit über fünf Jahren habe ich das große Vergnügen, mit spannenden Persönlichkeiten aus der Juristenwelt zu sprechen und Geschichten aus dem Jurastudium, dem Referendariat sowie dem Anwalts- oder Richterleben zu präsentieren. Jeden zweiten Freitag spreche ich mit meinen Gästen, die man allesamt getrost als Role-Models bezeichnen darf, über Karriere, Coaching, Scheitern und Chancen, Selbstführung, Juristenausbildung, Rechtspolitik … und natürlich das Leben an sich. Meine Gäste begleiten mich durch kurze und lange Folgen, durch ernste Themen und lustige Geschichten, durch persönliche Niederlagen und persönliche Highlights. Inzwischen hat sich eine ganze Reihe von Unterkategorien und Sonderepisoden etabliert. In den regulären Folgen stehen persönliche Geschichten und Karrieren im Vordergrund, in den Spezialausgaben aktuelle rechtliche oder rechtspolitische Themen, und bei #MiR – Menschen im Rechtsstaat – der Rechtsstaat an sich, der von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur oder Rechtsbranche mit Leben gefüllt wird: Vom Banker bis zum Rockstar ist alles dabei. Dazu gesellen sich Miniserien zum Grundgesetz oder zur Zwangsvollstreckung.

2. Was war Ihre Motivation, den Podcast zu starten?

Ich wurde gefragt, warum ich keinen Podcast habe. Da ging mir ein Licht auf: Ich will einen Podcast!

3. An wen richtet sich Ihr Podcast hauptsächlich?

Ursprünglich war der Podcast für die Anwaltsbranche, für Kolleginnen und Kollegen, gedacht. Schnell wurde mir klar: Ich kann „Anwalt“ einfach nicht ohne ReFa und ReNo, ohne Studierende und ohne Referendar:innen denken. Die Lausch-Familie ist über die Jahre immer weiter und weiter gewachsen. Spätestens mit den Episoden aus dem Coaching-Bereich, wie z. B. mit Dr. Peter Modler und Karin Kuschik, und aus dem Themenkomplex TrueCrime bzw. Forensik, mit Gästen wie Dr. Mark Benecke, Dr. Nahlah Saimeh oder auch Blutspurenanalystin Nina Hagner vom LKA Berlin, hat sich gezeigt: Meine Gäste kommen auch außerhalb der Jurabubble gut an. Ergo: Für alle, die Menschen und Recht spannend finden, ist dieser Podcast goldrichtig.

4. Welche juristischen Themen oder Schwerpunkte behandeln Sie regelmäßig?

Die unterschiedlichsten Werdegänge und vielfältigen Tätigkeitsgebiete sind sicher ein Themenschwerpunkt. Im Mittelpunkt steht fast immer ein Mensch, eine Geschichte, die erzählt werden will. Natürlich geht es immer wieder auch um Entwicklungen, die sich auf die Anwaltschaft auswirken, ganz gleich, ob rechtspolitischer oder tatsächlicher Natur. Auch Urteile oder spannende Verfahren schaffen es immer wieder in eine Spezialausgabe.

5. Wie wählen Sie Ihre Gäste oder Themen aus?

Der Ablauf ist eigentlich immer gleich. Ich stoße online oder offline auf eine Person, von der ich sofort denke: „Oh mein Gott, wie großartig! Was für ein inspirierender Mensch! Würde ich gerne kennenlernen!“ Und schon sitze ich an einer Mail oder DM und bitte um ein Vorgespräch. Wenn es um brandaktuelle rechtspolitische Themen oder Urteile geht, habe ich meine Lieblingsgäste. Da läuft es eher so, dass ich morgens – ich bin Frühaufsteher – auf eine Meldung oder Nachricht stoße und mein Wunschkandidat bzw. meine Wunschkandidatin dann meistens schon vor sieben Uhr eine liebevoll drängelnde SMS oder WhatsApp auf dem Handy vorfindet.

6. Wie stellen Sie sicher, dass juristische Inhalte für Ihre Hörer:innen verständlich bleiben?

In den seltensten Fällen geht es juristisch richtig ans Eingemachte. Ich hoste keinen Podcast auf wissenschaftlichem Niveau. Es sind vielmehr lockere Plaudereien, bei denen Fachbegriffe und Hintergründe so erklärt werden, dass man sie auch dann versteht, wenn man nicht auf dem jeweiligen Rechtsgebiet tätig ist, sich noch nicht mit dem Gesetzgebungsvorhaben etc. beschäftigt hat. Ich kann mich ja selbst nicht auf jedem Gebiet auskennen. Es geht mir darum, ein Grundbewusstsein zu schaffen oder für Sichtbarkeit zur sorgen. Für den Rest gibt es die Shownotes zum Podcast oder Fachliteratur. Ich selbst höre ja auch lieber interessante Geschichten als eine Vorlesung.

7. Gibt es ein bestimmtes Ziel, das Sie mit jeder Folge erreichen möchten?

Unbedingt sogar: Inspiration! Zeigen, wie bunt die Anwaltschaft ist und was man mit Jura alles machen kann. Darüber hinaus finde ich es immer cool, Neues zu lernen: Von Kommunikationstipps über Prompt-Baukästen bis hin zu Selbstführungsthemen – man lernt nie aus. Ich bin ja nichts Besonderes. Wenn ich etwas spannend finde, dann tun das andere in der Regel auch.

8. Wie tief gehen Sie inhaltlich in die juristischen Details – eher praxisnah oder eher theoretisch?

Typisch Anwältin: Das kommt darauf an. Ich mag beide Herangehensweisen. Bei manchen Themen bietet sich ein sehr theoretisches „was wäre, wenn“ an, bei anderen Themen segeln wir einfach am praktischen Alltag entlang. Manche Themen erfordern ein etwas tieferes Einsteigen, manche nicht. Ich bin ein praktisch veranlagter Mensch, der aber sehr vielseitig interessiert ist – auch an Theorie. Ich denke, das schlägt sich auch sehr deutlich in meinem Podcast nieder. Ich passe in keine Schublade, mein Podcast ebenso wenig.

9. Was war Ihre bisher spannendste oder lehrreichste Folge?

Ich kann mich da unmöglich auf eine Episode oder einen Gast beschränken. Nach so vielen Gesprächen in über fünf Jahren gab es unzählige Highlights für mich. Wie sollte man sich auch entscheiden, wenn man schon mit so vielen beeindruckenden Persönlichkeiten sprechen durfte? § 275 BGB! Natürlich kann man von Michel Friedman oder Gregor Gysi (schneide ich gerade) viel lernen, ebenso von einem Rechtsanwaltsfachangestellten, der direkt nach der Abschlussprüfung zum Büromanager befördert wurde. Inspirieren lassen kann man sich auch von dem Kollegen, der im Sabbatical fast um die halbe Welt geradelt ist, von der Kollegin, die als Berufsanfängerin einen Haftungsfall produziert hat, sich aber nicht unterkriegen ließ, von dem Anwalt, der sich auf Tattoorecht spezialisiert und dazu eine Dissertation geschrieben hat. Ich bin ganz aufrichtig ein glühender Fan jedes einzelnen Gastes. Was mich persönlich über die Maßen fasziniert hat: Ein Gespräch über die Natur des Bösen mit der forensischen Psychiaterin Dr. Nahlah Saimeh. Auch so ein klassischer Beyrich`scher Überfall übrigens. Ich habe Nahlah bei den Crime Days auf der Bühne gesehen und war von Sekunde eins völlig on fire. Habe sie noch vor Ort „verhaftet“. Ich kenne da nichts. Nahlah scheint mir das verziehen zu haben, denn wir sind gute Freunde geworden.

10. Welche Herausforderungen haben Sie beim Podcasting erlebt?

Technische Pannen gibt es immer wieder. Da ich meist remote aufzeichne, bleibt das leider nicht aus. Ich sichere mich daher gern doppelt mit Zweitaufnahme ab, wenn es geht. Die größte Herausforderung im Übrigen: All die tollen Gespräche müssen ja auch irgendwann noch bearbeitet werden. Ganz besonders herausfordernd: Brandaktuelle Themen morgens aufnehmen und am selben Tag veröffentlichen wollen. Machbar, aber anstrengend. Selbstgewähltes Leid, könnte man sagen.

11. Wie kombinieren Sie Ihre Arbeit als Anwält:in mit der Podcast-Produktion?

Den hier thematisierten Podcast produziere ich für meinen Arbeitgeber – die Bundesrechtsanwaltskammer – das verträgt sich jedenfalls thematisch sehr gut. 😉 Zeitlich sieht es da manchmal anders aus, denn der Podcast ist ja ein Zusatzprojekt, das zu den Hauptaufgaben hinzutritt. Dafür ist er eine Extra-Arbeit, die auch extra viel Freude bringt.

12. Welche Rückmeldungen von Hörer:innen haben Sie besonders beeindruckt oder überrascht?

Ich bekomme unglaublich viel Feedback, dass mich immer erfreut, oft sehr berührt. Zwei der schönsten Rückmeldungen, die mir spontan einfallen: Eine Studentin schrieb mir, dass sie dank der tollen Anwältinnen im Podcast jetzt wisse, wofür sich das Durchhalten im Studium lohnt. Die zweite Zuschrift, die mir beinahe eine Träne ins Knopfloch zauberte: Eine Kollegin schrieb mir, dass sie im alten Job, eine juristische, aber keine anwaltliche Tätigkeit, sehr unglücklich war, sich Selbständigkeit und Anwaltsberuf aber nie zugetraut habe. Der Podcast habe das geändert. Sie sei jetzt zugelassen, habe gegründet und die Entscheidung sei absolut richtig gewesen. Das ist schon eine Weile her, aber bis heute bekomme ich Gänsehaut vor Freude. Das! Genau das ist mein Antriebsmotor. Andere inspirieren. Zeigen, welche tolle Juristinnen und Juristen es gibt. Dass Anwältin sein ein Traumberuf ist. Und dass die Entfaltungsmöglichkeiten schier unendlich sind.

13. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Podcast das juristische Wissen Ihrer Hörer:innen verändert oder erweitert?

Ich glaube fest daran. Das liegt ja weder an mir noch an meinem Podcast. Das sind meine Gäste! Und die erweitern immer den Horizont. Jede und jeder auf die eine oder andere Weise. Ich habe so unglaublich viel Neues gelernt. Das kann meinen Zuhörerinnen und Zuhörern unmöglich anders gehen.

14. Wie sehen Sie die Rolle von Podcasts für die juristische Öffentlichkeitsarbeit und Bildung in Deutschland?

Unverzichtbar. Öffentlichkeitsarbeit muss ich auf Kanälen betreiben, die genutzt werden. Ich muss mich an die Lebenswirklichkeit meiner Zielgruppe anpassen. Wir lesen alle den ganzen Tag. Irgendwann ist es auch mal gut. Podcasts bieten die Möglichkeit, sich abseits des Schreibtisches mit spannenden Themen auseinanderzusetzen: Coachen lassen, während man joggen geht. Etwas darüber erfahren, auf welcher Grundlage und mit welcher Aussicht auf Erfolg aktuell TikTok verklagt wird, während man zum Gericht fährt. Man bekommt vom Rechtsfachwirt Zwangsvollstreckungstipps aufs Ohr, während man das Bad putzt, man hört Geschichten über Siege und Niederlagen, während man mit dem Hund eine Runde dreht. Besser geht es doch gar nicht. Hören, was Comedian Ingmar Stadelmann und Musiker Henning Wehland, H-Blockx oder Vito C., J. B. O., über den Rechtsstaat denken? Beim Belege sortieren vom Wacken-Anwalt erfahren, welche rechtlichen Probleme ein Metal-Festival mit sich bringt? Also ich bin da an Bord. Ich kann Informationen aufnehmen, während ich nebenher mit etwas anderem beschäftigt bin. Win-win.

15. Welche Themen oder Gäste würden Sie in Zukunft gerne noch vorstellen?

Bettina Limperg fehlt mir noch auf meiner Liste. Dr. Hubig wird definitiv klappen, wir suchen nur einen passenden Termin. Ist für mich ein Must-have, nachdem ich so eine schöne Episode mit „Buschi“ aufzeichnen durfte. In der Serie „Menschen im Rechtsstaat“ würde ich mich als alter Känguru-Fan über Marc-Uwe Kling sehr freuen. Wenn jemand also einen direkten Draht hat …

Vielen Dank für das Interview!

Hier geht es zum Podcast:

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Heft 10 | 2026 | 75. Jahrgang