Jura und Trash

Podcastvorstellung

Juristische Themen müssen nicht trocken sein – das zeigt eine wachsende Podcast-Szene, in der diese verständlich, kritisch und oft unterhaltsam behandelt werden. Wir stellen Podcasts vor, die sich mit juristischen Fragen, aktuellen Urteilen, rechtspolitischen Debatten oder bekannten juristischen Persönlichkeiten beschäftigen. Die Beiträge erscheinen in lockerer Reihenfolge und laden dazu ein, einmal „Jura auf die Ohren“ auszuprobieren.

1. Bitte stellen Sie den Podcast kurz vor und erklären, worum es inhaltlich geht.

„Jura und Trash“ ist ein Podcast, der das Recht auf den Kopf stellt! Dabei quatschen wir (Stephanie Beyrich und ich) über Jura, Studium, Referendariat, den Anwaltsberuf und die neuesten juristischen Trends, aber auch über alles, was in den sozialen Medien passiert. Mit einer Prise Humor und einer Menge Leichtigkeit sprechen wir über Gott und die Welt und machen das Recht dabei irgendwie cool. Na gut: Ein wenig cooler. Ob Jurastudent:in, Referendar:in, Anwält:in oder Richter:in: Wir sind der perfekte Mix aus Wissen und Trash-Talk!

Übrigens mittlerweile auch zweifach preisgekrönt: Podfluencer Creativity Award 2025 & Podfluencer Networking Award 2025!

Ines A. Garritsen
Stephanie Beyrich
Angélique Semmler | Redaktion Berliner Anwaltsblatt

2. Was war Ihre Motivation, den Podcast zu starten?

Juristen in Gesprächen oder Debatten zu „erwischen“, ist nicht schwer. Uns war es aber wichtig, juristische Themen nahbar zu vermitteln. Deshalb bilden juristische Themen die erste Säule des Podcasts: News, Aufreger und Fragen, die uns aktuell beschäftigen: alles einfach und verständlich besprochen.

Dazu gehört aber auch, offen über eigene Herausforderungen zu sprechen. Da ich mich derzeit im Referendariat befinde, häufen sich natürlich Schwierigkeiten, Ängste und Gedanken rund um die juristische Ausbildung. Genau das ist die zweite Säule unseres Podcasts: die Begleitung meines Referendariats. In diesem Zusammenhang können unsere Hörer: innen, genauso wie ich, von der Expertise und dem Rat meiner Co-Hostin Rechtsanwältin Stephanie Beyrich profitieren.

3. An wen richtet sich Ihr Podcast hauptsächlich?

Zum einen richtet sich der Podcast natürlich an Referendar:innen und junge Jurist:innen, aber ebenso ganz allgemein an alle, die Jura einmal in einem lockeren Gesprächsformat erleben möchten.

4. Welche juristischen Themen oder Schwerpunkte behandeln Sie regelmäßig?

Am häufigsten sprechen wir vermutlich über die dringend reformbedürftige juristische Ausbildung. Grundsätzlich greifen wir jedoch in jeder Folge auch aktuelle juristische Themen auf, die uns bewegen. Dazu zählen beispielsweise geplante Reformen der StPO, das Recht auf anwaltliche Beratung im Grundgesetz oder juristisch fragwürdige Social-Media-Trends.

5. Wie wählen Sie Ihre Gäste oder Themen aus?

Unsere Gäste wählen wir danach aus, welche Themen uns begeistern. Frei nach dem Motto „Wir sind nichts Besonderes“ gehen wir davon aus, dass auch unsere Hörer:innen sich für die Themen interessieren, die uns begeistern oder die wir als hilfreich empfinden. Wer würde nicht gern direkt aus dem Mund eines Examensprüfers wissen, was in der Mündlichen gut oder eben weniger gut ankommt?

Jeder unserer Gäste gibt uns wertvolle Einblicke in das eigene Fachgebiet, teilt hilfreiche Erfahrungen und Perspektiven und schafft damit einen großen Mehrwert, sowohl für uns als auch für unsere Hörer:innen.

6. Wie stellen Sie sicher, dass juristische Inhalte für Ihre Hörer:innen verständlich bleiben?

Indem wir frei erzählen. Man kann einem Gespräch folgen, dass wir so oder so ähnlich auch ganz ohne Aufzeichnung geführt hätten (und oft tatsächlich genau so führen). Das bedeutet: Wir arbeiten nicht mit vorgeschriebenen Texten oder starren Skripten, sondern erzählen die Dinge, so, wie wir sie im Kopf haben. Dabei achten wir immer wieder darauf, juristische Themen auch für Nichtjurist:innen verständlich einzuordnen.

7. Gibt es ein bestimmtes Ziel, das Sie mit jeder Folge erreichen möchten?

In erster Linie möchten wir mit unserem Podcast unterhalten. Jura soll kein schweres Thema sein, sondern etwas, das man entspannt nebenbei hören kann. Gleichzeitig freuen wir uns natürlich, wenn sich besonders junge Jurist:innen angesprochen und verstanden fühlen. Viele Herausforderungen erleben wir alle. Oft hilft es schon zu wissen, dass man mit bestimmten Problemen nicht allein ist.

8. Wie tief gehen Sie inhaltlich in die juristischen Details ein – eher praxisnah oder eher theoretisch?

Juristische Themen behandeln wir bewusst eher zugänglich und im Überblick. In einzelne Details steigen wir nur punktuell tiefer ein, wenn es für das Verständnis oder die Diskussion sinnvoll ist.

9. Was war Ihre bisher spannendste oder lehrreichste Folge?

Mir bleiben die persönlichen Folgen immer sehr im Kopf. Zum Beispiel eine Folge, die wir in Düsseldorf in einem Hotelbett aufgenommen haben und ganz unerwartet in einen Deep Talk über ungesunde Essgewohnheiten in der Examensvorbereitung eingetaucht sind.

Sehr spannend und hilfreich sind natürlich auch unsere Folgen mit Gast. Wenn z.B. Prof. Beckmann als Prüfer im Examen aus dem Nähkästchen plaudert, Dr. Wendelin Neubert über die besten Lernmethoden berichtet oder Prof. Susanne Beck mit uns über Sexualstrafrecht in der juristischen Ausbildung spricht, dann sind wir regelmäßig selbst total gefesselt.

10. Welche Herausforderungen haben Sie beim Podcasting erlebt?

Neben den regelmäßigen technischen Tücken, wie einer unsauberen Tonspur oder dem gelegentlich langsamen (Berliner) Internet, halten sich die Herausforderungen bei uns insgesamt in Grenzen.

Dabei hilft natürlich auch, dass wir uns innerhalb der Podcast-Community (Grüße an die Podfluencer) fachübergreifend vernetzen und so bereits den einen oder anderen wertvollen Tipp im Umgang mit typischen Problemen bekommen haben.

11. Wie kombinieren Sie Ihre Arbeit als Anwält:in mit der Podcast-Produktion?

Auf meinem Weg zur Anwält:in ist der Podcast für mich ein schöner Ausgleich zum Lernen, dem ich in meiner Freizeit nachgehe. Jede Aufnahme ist zugleich auch eine kleine Therapiesession mit Steffi, also definitiv gut investierte Zeit.

12. Welche Rückmeldungen von Hörer:innen haben Sie besonders beeindruckt oder überrascht?

Ich freue mich jedes Mal sehr, wenn wir auf unsere Geschichten aus dem Podcast angesprochen werden oder Menschen uns erzählen, dass wir sie zum Lachen bringen konnten.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Nachricht einer Jurastudentin nach einer Folge, in der wir über Lerngruppen in der Examensvorbereitung gesprochen haben. Sie schrieb: „Genau das musste ich hören. Ich wusste nicht, dass es auch anderen so geht.“ Wenn wir mit unserem Podcast auch nur einer einzigen Person ein Stück weiterhelfen können, hat es sich aus meiner Sicht bereits gelohnt.

13. Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Podcast das juristische Wissen Ihrer Hörer:innen verändert oder erweitert?

Mit Sicherheit vor allem das Wissen um juristische Soft Skills und praktische Aspekte, etwa die richtige Kommunikation mit Mandant:innen und Ausbilder:innen, passende Lernmethoden oder hilfreiche Ressourcen während der Ausbildung.

14. Wie sehen Sie die Rolle von Podcasts für die juristische Öffentlichkeitsarbeit und Bildung in Deutschland?

Ich halte Podcasts für eine sehr wichtige Form der Wissensvermittlung. Gerade in Zeiten von Unsicherheit mit Informationsgewinnung und dem Umgang mit Informationen ist es wichtig, vertrauenswürdige Quellen leicht zugänglich zu machen.

Das Vertrauen in den Rechtsstaat stärken wir nicht, indem wir uns hinter einer Paywall verstecken, sondern indem wir aktiv erklären, wie der Rechtsstaat jede und jeden von uns schützt.

15. Welche Themen oder Gäste würden Sie in Zukunft gerne noch vorstellen?

Ich fände es spannend, künftig noch mehr über juristische Berufsbilder und Karrierewege zu sprechen. Insbesondere über Menschen, die keinen klassischen Weg gegangen sind oder über Umwege in traditionelle juristische Berufe gefunden haben.

Vielen Dank für das Interview!

Heft 11 | 2026 | 75. Jahrgang