Berlin – läuft!
Wechsel im Amt der Regionalbeauftragten
Angélique Semmler hat im Jahre 2023 das FORUM Junge Anwaltschaft Berlin als Regionalbeauftragte übernommen. Zum Jahresende scheidet sie nunmehr aus. Im Gespräch mit Allan Böhner blickt sie auf ihre Zeit als Regionalbeauftragte zurück. Angélique Semmler hat im Jahre 2023 das FORUM Junge Anwaltschaft Berlin als Regionalbeauftragte übernommen. Zum Jahresende scheidet sie nunmehr aus. Im Gespräch mit Allan Böhner blickt sie auf ihre Zeit als Regionalbeauftragte zurück.
Angélique Semmler im Gespräch mit Allan Böhner


AB: Angélique, zum Jahresende legst du dein Amt als Regionalbeauftragte von Berlin nieder. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge?
Ja, auf jeden Fall. In den zweieinhalb Jahren meiner Tätigkeit habe ich viele spannende Erfahrungen gesammelt, neue Formate kreiert und vor allem zahlreiche großartige Menschen kennengelernt. Es gab anregende Gespräche, fruchtbare Kooperationen und viele neue Ideen. Gleichzeitig freue ich mich darauf, neue Wege zu beschreiten und bin offen für Aufgaben und Herausforderungen, bei denen ich meine Erfahrungen und Ideen einbringen kann.
AB: Wie hast du damals das Berliner FORUM vorgefunden?
Zu Beginn meiner Amtszeit hatte ich den Eindruck, dass das FORUM in Berlin noch Potenzial hatte – sowohl bei der Zahl der Veranstaltungen als auch bei den Möglichkeiten zum Netzwerken. Auch in der Außenwahrnehmung war es aus meiner Sicht noch nicht so präsent, wie BERLIN – LÄUFT! Wechsel im Amt der Regionalbeauftragten es sein könnte – weder für Interessent:innen noch für andere Institutionen und Vereine.
AB: Wie hast du/hat sich das Berliner FORUM seitdem verändert?
Mit der Übernahme meines Amtes im Mai 2023 hat sich das FORUM in Berlin stark weiterentwickelt. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Get-together: Es waren gerade mal zwei Mitglieder (mit mir) dabei. Heute hat sich die Situation sehr erfreulich entwickelt – unsere Treffen finden regelmäßig statt und verzeichnen im Schnitt acht bis zehn Teilnehmende, manchmal sogar bis zu zwanzig.
Von Anfang an war es mir wichtig, Präsenz zu zeigen und Kooperationen aufzubauen. Deshalb habe ich viele Veranstaltungen besucht, Kontakte geknüpft und das FORUM vorgestellt. Die Resonanz war durchweg positiv, und es sind wertvolle Partnerschaften entstanden – insbesondere mit dem Berliner Anwaltsverein und der ARGE Anwältinnen.
Mittlerweile haben wir feste Termine wie das Sommertreffen und den Besuch des Weihnachtsmarkts, auf die sich unsere Mitglieder verlassen können. Ein Highlight war 2024 unser erstes Referendar:innenfrühstück, das großen Anklang fand und 2025 wiederholt wird.
Ebenso wichtig war mir der Aufbau eines Netzwerks in Berlin. Über Newsletter und persönlichen Austausch bleiben die Mitglieder in Kontakt – oft konnte ich Menschen miteinander vernetzen, aus deren Begegnungen erfolgreiche Kooperationen entstanden sind.
Seit Juni 2024 ist das FORUM in Berlin doppelt stark vertreten, mit dir als Stellvertreter. Unsere Zusammenarbeit hat die Sichtbarkeit und Wirkung des FORUMs weiter erhöht – und es macht einfach Spaß, mit dir zu arbeiten. Gemeinsam ist es deutlich leichter, Veranstaltungen zu planen und umzusetzen. Besonders stolz bin ich auf unser erstes gemeinsames Osttreffen, in das wir viel Zeit und Herzblut investiert haben – etwas, das ich alleine nicht hätte realisieren können. Das Feedback war durchweg positiv und es gibt bereits Anfragen, wann das nächste Osttreffen stattfindet.
Heute ist das FORUM in Berlin ein fester Bestandteil des juristischen Netzwerks. Wir werden zunehmend von anderen Institutionen einbezogen, und auch bei Referendar:innen und Studierenden hat sich unsere Sichtbarkeit deutlich erhöht. Meiner Meinung nach ist das FORUM in Berlin heute ein Faktor, mit dem man rechnen darf und sollte.
AB: Welchen Herausforderungen wird die Junge Anwaltschaft in den kommenden Jahren gegenüberstehen?
Für die Junge Anwaltschaft sehe ich in den kommenden Jahren mehrere zentrale Herausforderungen. Mit eine der größten ist meiner Meinung nach der mangelnde Nachwuchs. Die Zulassungszahlen sinken stetig, gleichzeitig steigt der Konkurrenzdruck zu anderen juristischen Berufen. Wichtig ist auch, den Druck zu erkennen, dem junge Rechtsanwält:innen ausgesetzt sind: Am Berufsanfang ist dieser ohnehin hoch – durch die steile Lernkurve, das Einarbeiten in neue Fälle und die vielen neuen Aufgaben. Wenn dann noch steigende Mandatszahlen und hohe Erwartungen der Mandantschaft hinzukommen, kann dies zu einer zusätzlichen Belastung führen.
Eine weitere Herausforderung ist die fortschreitende Digitalisierung der Anwaltschaft. Es geht darum, digitale Entwicklungen – von effizienten Workflows bis hin zu künstlicher Intelligenz – sinnvoll und regelkonform in den Kanzleialltag zu integrieren. Da eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme existiert und Anwender:innen über sehr unterschiedliche Vorkenntnisse und Arbeitsgewohnheiten verfügen, kann die Umsetzung an manchen Stellen durchaus holprig sein. Genauso muss man auch an die Sicherheit bzw. an die Gefahren von KI denken. Inzwischen sind technisch sehr viele Dinge möglich, die wir uns vor einigen Jahren noch nicht vorstellen konnten. Daher sehe ich hier – neben den zahlreichen Chancen – auch das Risiko, dass es noch viel mehr Sicherheitslücken und Gefahren gibt, als wir heute greifen können.
Eine weitere große Herausforderung betrifft uns alle: Es geht um die Wahrung und den Schutz der Demokratie und der Grundrechte jedes/jeder Einzelnen. Niemand darf zulassen, dass diese Werte ausgehöhlt oder angetastet werden. In den letzten Jahren haben sich Entwicklungen gezeigt, die man nicht mehr einfach nur als „besorgnis erregend“ bezeichnen kann, denen wir uns als Gesellschaft – und jede/jeder Einzelne von uns – aktiv stellen müssen.
AB: Wie sollen wir diesen Herausforderungen begegnen?
Wichtig ist meiner Meinung nach, dass wir uns den Aufgaben gemeinsam stellen – „jung“ und „alt“, Berufsein steiger:innen und Berufserfahrene, auf Augenhöhe. Ein offener Diskurs ist notwendig – vor allem aber das Denken auf neuen Wegen. Den schnellen technischen Fortschritt und die Veränderungen in unserer Welt können wir nicht mit alten Denkmustern bewältigen. Es gilt, mutig neue Ansätze zu erproben, auch wenn nicht immer alles auf Anhieb perfekt funktioniert. Natürlich sollten wir dabei sorgfältig und verantwortungsbewusst vorgehen, aber das Verharren in alten Strukturen wird uns nicht weiterbringen.
Wenn wir empathisch und fair miteinander umgehen, das Gemeinwohl im Blick behalten, Herausforderungen mutig annehmen, klare Positionen beziehen und dabei auch den Sinn für Freude und Leichtigkeit bewahren, haben wir eine ganz gute Position, um die bevorstehenden Aufgaben erfolgreich zu meistern.
AB: Was wünscht du dir für die Zukunft der Anwaltschaft?
Einer meiner Wünsche für die Zukunft der Anwaltschaft ist, dass die juristische Ausbildung stärker auf den Menschen hinter der Juristin/dem Juristen eingeht. Die Anforderungen an Studierende und Referendar:innen sind hoch, und Notendruck, Prüfungsangst sowie der manchmal forsche Umgang sind für viele belastend. Ein guter Jurist/eine gute Juristin entsteht jedoch nicht durch Überforderung und Angst, sondern durch Förderung, Unterstützung und die Möglichkeit, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln.
In vielen Kanzleien und Institutionen erlebe ich viel Offenheit, Hilfsbereitschaft und Gemeinschaft. Für die Zukunft der Anwaltschaft wünsche ich mir, dass noch mehr Kolleg:innen diese Erfahrungen machen und bereits zu Studienbeginn davon profitieren. Wir Rechtsanwält:innen sind häufig freundlicher, hilfsbereiter und empathischer, als unser Ruf vermuten lässt, und unsere Arbeit ist in den meisten Fällen erfüllend. Dieses positive Bild sollten wir auch über unsere eigene Berufsgruppe hinaus sichtbar machen.
Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass die Anwaltschaft den technologischen Wandel aktiv gestaltet und den Nachwuchs gezielt fördert. Nur wenn fachliche Exzellenz, menschliche Werte, Offenheit für neue Entwicklungen und das Bewusstsein für unsere Rolle in der Gesellschaft zusammenkommen, kann die Anwaltschaft auch in Zukunft erfolgreich und nachhaltig arbeiten.
AB: Das Amt des Regionalbeauftragten werde ich von dir übernehmen – welchen Tipp oder Ratschlag hast du für mich?
Allan, du bist so ein hervorragender Stellvertreter und toller Mensch. Ich bin mir sicher, dass du das Amt des Regionalbeauftragten ganz wunderbar ausfüllen wirst und keine Tipps von mir brauchst. Solltest du doch darauf beharren, dann vielleicht dies: Vertraue deinem Bauchgefühl und scheue dich nicht, „Nein“ zu sagen.
AB: Lass uns gerne einen Blick erhaschen: Was hast du nach deinem Amt als RB vor?
Mit dem Ende meiner Amtszeit schließe ich ein Kapitel, das mir sehr viel gegeben hat. Ich kann mir gut vorstellen, auch künftig Verantwortung zu übernehmen – sei es durch die Förderung des Nachwuchses, den Einsatz für die Interessen der Anwaltschaft oder indem ich Menschen miteinander ins Gespräch bringe und so den weiteren Aufbau tragfähiger Netzwerke unterstütze. Nicht zu vergessen sind meine Tätigkeiten als Anwältin im Miet- und WEG-Recht und als Dozentin, denen ich auch weiterhin nachgehen werde.



