Bernhard Schlink, Gerechtigkeit

Hardcover, Zürich 2026, 208 S., 25,00 Euro
ISBN 978-3-257-07372-0

Lektüre für die (Wieder)Begeisterung unserer Tätigkeit.

Das Tolle an diesem Buch ist, dass der Autor keine großen Theorien wälzt und philosophische Konstruktionen in die Welt stellt, sondern sein Anliegen ist ein wesentlich konkreteres: Er formuliert den Begriff der Gerechtigkeitsarbeit. Damit meint er eine Tätigkeit (wohl vorwiegend auch von Juristen), die versucht im alltäglichen Geschehen für Gerechtigkeit nach Lösungen und Begründungen zu suchen. Diesem Thema ist das Buch gewidmet. Er deutet bereits im Vorwort darauf hin, führt dann zur Gerechtigkeitsarbeit ein, gibt einen Überblick und beschreibt sein Vorgehen.

Thomas Röth | Rechtsanwalt, | Fachanwalt für Arbeitsrecht | Miet- und Wohneigentumsrecht sowie Strafrecht, zugelassen am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) | Avvocato in Italien (Anwaltskammer zu Siena, Toskana) | Mediator, www.liebert-roeth.de

Im 2. Kapitel wird der Begriff der Gerechtigkeit etwas allgemeiner ausgeführt (keine Angst, nie zu philosophisch oder schwer zu lesen). Insbesondere befasst er sich des Längeren mit guten Gründen für die Einführung von Gleich-/Ungleichbehandlungen. Im 3. Kapitel widmet er sich besonderen Gerechtigkeitsformen wie der politischen, der sozialen und der Strafgerechtigkeit. Im 4. Kapitel geht es um Gerechtigkeit im Kontext mit Tugenden/Moral, im Kontext der gesellschaftlichen Arbeit und dem Gerechtsein in Form gerechten Handelns insbesondere als gerechter Richter und der Gerechtigkeit gegenüber sich selbst. Im letzten Kapitel führt er zur Zukunft der Gerechtigkeit aus.

Das Buch ist getragen von der mittels konkreter Arbeit erzielten Erkenntnis über Gerechtigkeit, also was es bedeutet, Menschen anders zu behandeln als andere, wann es geboten bzw. wann es nur erforderlich ist, und wie Maßstäbe für eine Un- bzw. Gleichbehandlung zu   nden sind. All diese Fragen werden konkret immer wieder erörtert und in einen umfassenden Zusammenhang aus praktischer Perspektive gestellt. Natürlich bleibt die Sprache, die immer klar ist, manchmal etwas abstrakt, weil man über Gerechtigkeit wohl nur anhand ganz konkreter Fragen sprechen kann. Dies führt aber nicht zur Unverständlichkeit.

Die Lektüre hat dem Unterzeichner großes Vergnügen bereitet und ihn immer wieder an das Wichtige und die Grundlage seiner Arbeit erinnert. Wie oft verliert man den Wald vor lauter Einzelfallbäumen aus den Augen und damit eben auch, dass die Arbeit als solches ein gewichtiger Bestandteil des zu verwirklichenden Be griffes Gerechtigkeit bedeuten kann. Daher ein Buch, das unbedingt zur Lektüre zu empfehlen ist, insbesondere auch Menschen, die sich nicht (nur) mit Juristerei beschäftigen und eine konkrete Verdeutlichung zu diesem wichtigen Begriff lesen wollen.

Heft 06 | 2026 | 75. Jahrgang