Bis in die letzte Instanz

Eine Lebens- und Rechtsgeschichte
Autobiografie, ca. 300 Seiten, Osburg Verlag 2025,
26,00 Euro, ISBN 978-3-95510-379-8

EINE DEUTSCHE ANWALTSAUTOBIOGRAFIE – SO SPANNEND UND DRAMATISCH WIE EINE US-ANWALTSSERIE

Ganz herzlichen Dank an den geschätzten und berühmten Kollegen, Mut und Energie in das Abfassen seiner Autobiografie für uns eingebracht zu haben. Für junge Kolleginnen und Kollegen, die sich denken, wie kann die anwaltliche Arbeit unterhaltsam und herausfordernd sein, gibt sie einen tollen Einblick in eine außergewöhnliche Karriere. Für alle, die zweifeln, wie anwaltliche Tätigkeit kreativ und zugleich guter Rat sowie effektive Vertretung sein kann, ein Meisterstück an anwaltlicher Integrität, Business-Modell-Entwicklung und Willenskraft. Kollege Prinz lebt und arbeitet nach dem Motto „Never give up“.

Dr. Astrid Auer-Reinsdorff | Rechtsanwältin Berlin & Lissabon | Fachanwältin für Informationstechnologierecht | www.kanzlei-auer.de

Die Autobiografie ist in fünf Teile unterteilt: Im ersten Teil beschreibt der Autor, wie er sich trotz der für den Journalismus durch seinen Vater weit offenstehenden Türen für das Jurastudium entscheidet. Schnell ist er des deutschen rechtswissenschaftlichen Studienapparates überdrüssig – im Segeln findet er den Adrenalin-Kick und verschiebt das Lernen auf Selbststudium und das Pauken mit Repetitor in die Phase der reinen Examensvorbereitung.

In München aufgewachsen, wird er nach dem familiären Umzug heimisch in Hamburg und weltoffen. Entscheidende ökonomische Zusammenhänge des Rechts erschließen sich ihm in seiner Zeit in Harvard. Diese Einflüsse des US-amerikanischen Rechtsdenkens lassen ihn zuweilen später im Berufsleben als deutscher Rechtsanwalt ratlos auf die Sinnlosigkeit deutscher Entscheidungen blicken. Der Strafschadensersatz des US-amerikanischen Rechts, uns zuweilen absurd erscheinend – man denke an die millionenschweren Entschädigungen für eine Katze, die in der Mikrowelle getrocknet werden sollte, oder die Dame, die sich mit einem heißen Kaffee einer Fast-Food-Kette im Drive-Thru schlimme Verbrühungen zuzog.

Zunächst war Kollege Prinz als Strafverteidiger unterwegs und lernte an Fällen der Pflichtverteidigung Prozessstrategie und scharfsinniges Hinterfragen der von den Mandanten geschilderten Sachverhalte.

Angelehnt an das US-amerikanische System entwickelte er in seiner Laufbahn die Rechtsprechung zu bedeutenden Schmerzensgeldzahlungen für Persönlichkeitsverletzung besonders z.B. durch Paparazzi. Die Strategie erwuchs aus der Erkenntnis, dass Unterlassungsanträge und die Geltendmachung von Beseitigungsansprüchen eher einem Nachlaufen glich und sich Medienunternehmen nur besannen, wenn die Verletzung der Persönlichkeitsrechte zu teuer wurde – die mit der Rechtsverletzung erzielte Auflagenstärke zu hohe Schmerzensgeldzahlungen und effektive Gegendarstellungen, Richtigstellungen sowie Widerrufe auf den Titelseiten mit prominenter Platzierung nach sich zogen.

Im zweiten Teil erzählt Kollege Prinz anhand vieler prominenter Fälle und politisch, wirtschaftlich und geschichtlich brisanter rechtlicher Auseinandersetzungen aus seiner Praxis die Besonderheiten und speziellen Herausforderungen.

Beim EuGH kippte er im Rechtsstreit gegen Deutschland die inkonsequente Rechtsprechung, die bis dahin tiefgreifende Eingriffe in die persönliche Freiheit von sog. absoluten Personen der Zeitgeschichte erlaubte (Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte v. 24.6.2004, AZ 24/06/04, das sog. Caroline-von-Monaco- Urteil), ohne dass die Berichterstattung an sich eines für die Zeitgeschichte relevanten Inhalts bedurfte.

Die Erläuterungen der rechtlichen Zusammenhänge schildert Kollege Prinz so, dass auch der juristische Laie die Bedeutung seiner Fälle und seiner Strategie für die deutsche Rechtsprechung nachvollziehen kann. Im Kampf gegen falsche und verletzende Medienberichterstattung – möglicherweise eine Blaupause für die anstehenden Herausforderungen mit Fake News und KIgenerierten Deepfakes?

Die Lebensgeschichte rundet er durch persönliche Einblicke in Familie, Freundschaften und Engagement im vierten Teil ab. Mit dem ersten Kind reduziert das Ehepaar die Arbeitswoche auf sechs Tage, beim zweiten auf fünf Tage und unterstützt wird die bald sechsköpfige Familie von englischsprachigen und chinesischen Kinderfrauen. Alexandra von Rehlingen ist Inhaberin einer erfolgreichen PR-Agentur. Ihr Wissen und ihre Verbindungen erweiterten den Wirkungsgrad der anwaltlichen Arbeit des Kollegen Prinz.

Unbestritten führt Kollege Prinz ein mondänes Leben mit Ruhm und Glamour und genießt den Druck, die Anspannung, Herausforderung und das dem Menschen viel abverlangende Tempo seines Lebens im Beruf und bei sportlichen Höchstleistungen.

Diesem scheinbar immerwährenden Aufwärtstrend setzt vor mehr als zehn Jahren ein körperlicher Zusammenbruch bei der morgendlichen Jogging-Runde ein Ende. Kollege Prinz lebt und arbeitet seitdem im Rollstuhl. Nach Verzweiflung über das Schicksal, Hadern mit dem so anderen Leben und dem Krankheit und Gebrechen verwaltenden deutschen Gesundheitssystem scheint am Ende im fünften Teil noch Hoffnung auf. Ob im Wasser mit Delfinen oder beim Schwimmen, Krafttraining und Reisen bewährt sich für Kollege Prinz sein Motto „Never give up“ – alles Gute!

Heft 12 | 2025 | 74. Jahrgang