Das Bullet Journal – Zeitmanagement und mehr
Kreative Spinnerei oder wirkungsvolles Planungstool?
ORGANISATION IN DER MODERNEN WELT
In der heutigen Zeit mit all ihren Herausforderungen, beruflich wie privat, ist es unerlässlich, sich zu organisieren und dafür zu sorgen, dass all die kleinen Fäden zusammenlaufen und nicht alles in einem wirren Wollknäuel endet und wir den Überblick verlieren. So führen wir Kalender, To-do-Listen, Aufgabenlisten. Außerdem haben wir Merk- und Notizzettel, Tagebücher, Notizbücher, Aufzeichnungen von Fortbildungen usw. Und doch stehen wir am Ende des Tages oft da und suchen nach unseren Notizen, den Merkzetteln usw.

Vor allem aber fragen wir uns dann immer wieder, wo unsere Zeit geblieben ist, in der wir – mal wieder – gefühlt nichts und vor allem nicht das, was wir uns vorgenommen haben, geschafft haben. So dass wir oft frustriert und unzufrieden ins Bett gehen. In der Regel, weil wir uns verzettelt haben und überhaupt nicht mehr sehen, wie viel wir eigentlich geschafft haben. Aber was tun dagegen?
AUF DER SUCHE NACH DER LÖSUNG ZUR INDIVIDUELLEN ORGANISATION
Wenn wir nach den Stichworten „Organisation“, „Zeitmanagement“, „Selbstorganisation“ etc. suchen, finden wir unzählige Methoden, Tools und Produkte. Angefangen von der 1-Minute-To-do-Liste über die Eisenhower- Matrix bis zum Time-Blocking, Kalender in allen Varianten, Größen und Formen über Tipps zum Minimalismus, Bio-Hacking und vielem mehr. Digital und analog. Und alle haben tatsächlich, richtig angewendet, ihre Berechtigung, da bin ich mir sicher.
Nur oft stellen wir nach und nach fest, dass diese Methoden nicht in unser spezielles Leben in der Juristerei, mit all den täglichen Herausforderungen, passen und zu starr sind, um individuell umgewandelt zu werden oder uns dazu zwingen, x-tausend Tools zu verwenden und uns darin zu verzetteln. Vor diesem Problem stand ich tatsächlich auch. Und dann bin ich zur Bullet-Journal- Methode© gestoßen.
BULLET-JOURNAL-METHODE©
Doch was ist die Bullet-Journal-Methode© (kurz: Bujo- Methode), werden Sie sich jetzt fragen? Die Bujo-Methode ist laut ihres Erfinders Ryder Carroll folgendes: „Die Bullet-Journal-Methode© schlägt eine Brücke zwischen Ihren Überzeugungen und Ihren Taten, in dem sie Ihre Absicht ins alltägliche ungeschönte Leben integriert.“ So können wir mit dieser Methode unsere Ziele, Wünsche, Träume, Notizen, Termine und Aufgaben umsetzen. Außerdem können wir unseren Alltag genauso wie unsere Projekte und unsere Reisen planen, und das alles in einem Notizbuch statt in x Tools.
„So können wir mit dieser Methode unsere Ziele, Wünsche, Träume, Notizen, Termine und Aufgaben umsetzen“
Was braucht es grundsätzlich dazu: 1 Stift und 1 Notizbuch. Außerdem, wenn Sie direkt tiefer einsteigen wollen und den vollen Umfang nutzen wollen, ist ein DIN-A4- Blatt Papier zusätzlich notwendig. Grundsätzlich fängt ein Bullet Journal mit dem Key an, geht weiter mit einem Index, der gefolgt wird von einem Future Log, dem sich das Monthly Log und schließlich die Daily Logs anschließen.
KURZE ERLÄUTERUNG
- Key-Symbole zur Verwaltung der täglichen Aufgaben, Notizen und Termine
- Rapid-Logging – Kurzschreibweise, die in Kombination mit dem Key genutzt wird
- Index – Inhaltsverzeichnis
- Future Log – Jahreskalender/-termin- und Aufgabenübersicht
- Monthly Log – Termine und Aufgaben eines Monats
- Daily Logs – tägliche Termine, Aufgaben und Notizen, ggf. Reflektion
DIE PRAXIS
Für die Praxis empfehle ich zum einen YouTube, insbesondere Timo Ostrich (die Bullet-Journal-Playlist) und zum anderen das Buch vom Erfinder Ryder Carroll „Die Bullet-Journal-Methode©“.Hier findet man die praktische Anwendung in der reinsten Form. Zumindest aus meiner Sicht. Sicher gibt es auch noch andere Kanäle, einschließlich des Kanals von Ryder Carroll selber (auf Englisch), die diese Aufgabe erfüllen. Da ich diese allerdings nicht detailliert kenne, nenne ich hier keine weiteren Kanäle.
DER SCHRECK
Wenn Sie sich schon einmal mit dem Thema Bullet-Journaling auseinandergesetzt haben oder es zumindest versucht haben, sind Sie vermutlich auf ganz viele Videos, Reels, Storys, Beiträge mit ganz vielen kreativ gestalteten Bujos gestoßen, die alle liebevoll dekoriert, aufwendig gestaltet und vor allem auch in ihrer Gestaltung sehr in Form gepresst erschienen. Vermutlich haben Sie in diesem Moment bereits beschlossen, das hat in meinem Leben nichts zu suchen, dafür habe ich keine Zeit und keinen Raum. Außerdem schien es Ihnen vermutlich in diesem Moment wieder viel zu beengt und viel zu wenig individuell, richtig!?
Zumal Sie möglicherweise auf die, in meinen Augen, sehr schlecht gemachte Kurzdokumentation von ARTE gestoßen sind, in der es im Rahmen der Serie „Frauen in der Optimierungsfalle“ auch einen Beitrag zum Bullet Journal gibt. Dort werden verschiedene, vor allem ältere YouTube-Videos und Blogbeiträge aus dem Zusammenhang gerissen und zu einer, für das Bujo vernichtenden Kurzdokumentation zusammengeschnitten. So dass zum Schluss herauskommt, dass Bujo eine kreative Zeitverschwendung ist, die Frauen in die Überforderung treibt.
Kleinreden möchte ich natürlich nicht, dass man sich im Perfektionismus der schön gestalteten Seiten, der Massen an Stiften, Stempel, Aufkleber und Vorlagen sowie der möglichen Tracker ebenso verlieren kann wie in dem Vergleich des eigenen Bujos mit diesen Kunstwerken auf Instagram, Pinterest und YouTube.
Aber wie bereits erwähnt ist dies nicht im Sinne des Erfinders. Und wer sich näher mit der Bullet-Journal- Methode© von Ryder Carroll auseinandersetzt, wird feststellen, dass dies mitnichten stimmt. Deswegen bitte ich Sie, der Methode Ihre Aufmerksamkeit zu schenken.
DIE ERLEICHTERUNG
Für Pragmatiker gibt es auch die Schwarz-Weiß-Methode, simpel und ohne Chichi. Keine Bilder, sondern nur 1 Stift und 1 Notizbuch Ihrer Wahl. Und es ist egal, wie Sie schreiben, solange Sie es lesen können. Denn die Original- Bullet-Journal-Methode© besteht aus genau dem 1 Stift und 1 Notizbuch. Die Bullet-Journal-Methode© lässt Ihnen den Spielraum und die Flexibilität, die Sie als Anwälte oder Anwältinnen oder Fachangestellte benötigen und die Ihnen oft von vorgefertigten Kalendern, Programmen und Tools aus dem Bereich Zeitmanagement nicht gegeben wird.
Denn im Bujo können Sie einfach, während Sie in der Verhandlung sitzen, kurz notieren, Tante Erna anrufen und zum 90. gratulieren, genauso aber auch, Mandant xyz fragen, ob wir zyx als Zeugen benennen sollen, oder Robe waschen bis Mittwoch (die aufzuschreibenden Punkte würde ich in Anführungszeichen setzen). All das in Ihrem Daily Log, den Sie sich spätestens am Abend noch einmal reflektieren und entsprechend bearbeiten, so dass Ihnen keines der To-dos durchgehen kann.
Oder Sie notieren kurz in der Mittagspause Ihre Idee, den nächsten Urlaub in Schweden im Wohnmobil zu verbringen, und schreiben dazu noch auf, was Sie dafür alles recherchieren, planen, einkaufen und packen müssen. Das Ganze vermerken Sie im Index und finden es so ganz schnell wieder, wenn Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin den Vorschlag unterbreiten oder weitere Notizen hinzufügen wollen. DER BENEFIT Ihre Notizen, Bemerkungen und Vermerke werden durch das abendliche, monatliche und jährliche Reflektieren im Bujo Klarheit für Ihre Bedürfnisse, Pläne und Ziele schaffen und Ihnen dabei helfen, diese zu erfüllen und umzusetzen. „Das Bujo ist niemals perfekt. Es wächst und ändert sich mit Ihnen und Ihren Erkenntnissen und Aufgaben“ Das Bujo ist niemals perfekt. Es wächst und ändert sich mit Ihnen und Ihren Erkenntnissen und Aufgaben. Aber vor allem ist das Bujo immer flexibel und wandelbar für Sie da und wächst mit Ihnen und Ihren Aufgaben.
ABER EIN PAPIERNOTIZBUCH UND EIN STIFT, UND DAS IN ZEITEN DER DIGITALISIERUNG?
Gerade deswegen ist es so wertvoll, da man sich immer wieder die Zeit nimmt und seine Gedanken durch einen Stift auf das Papier fließen lässt. Mittlerweile ist bekannt, dass wir nur, was wir wirklich schreiben, auch wirklich erfassen. Es erdet uns und lässt unsere Gedanken zur Ruhe kommen.
Als passendes Beispiel dient der Erfinder der Bujo- Methode selber. Denn Ryder Carroll ist Digital Product Designer und sitzt damit viele Stunden pro Tag am PC. Trotz allem hat er neben seinen digitalen Kalendern immer sein Bujo dabei.
FAZIT
Für mich hat sich das Bujo als eine der besten Methoden der Organisation herausgestellt, die ich je ausprobiert habe. Und das, obwohl ich immer wieder feststelle, dass ich immer noch dazulerne, wie ich es am besten und wirkungsvollsten anwende und für mich anpasse. Denn für mich sind es jeden Monat, jede Woche und jeden Tag einige Minuten, die ich zur Ruhe komme, in denen ich durch Reflektion verstehe, warum Dinge funktionieren, wo ich noch Potenzial habe, in denen ich kreativ bin. Und gerade die Flexibilität, die Wandelbarkeit und die Gestaltungsmöglichkeiten des Bujos sind für mich ein Grund, das Bujo jedem ans Herz zu legen, der wie Sie ein stressiges, vollgepacktes und ständig im Wandel befindliches Leben hat.
Probieren Sie es doch einmal aus.

