Der Deutsch-französische Rechtsdialog am 20. März in Aachen

Vom Gründungstraum bis zur Nachfolge

Nach ein paar Jahren kreativer Pause ist am 20. März 2026 der deutsch-französiche Rechtsdialog durch das ORGATeam von RA Adi Seffer, Frankfurt/M, RA’in und Avocate Dr. Antje Luke, Paris, RA’in Dr. Barbara Mayer und RA Gerhard Manz, beide Freiburg, wieder auf dem Schirm des internationalen Wirtschaftsrechts angekommen – ein schöner Erfolg für die beiden ARGE Internationales Wirtschaftsrecht und Handels- und Gesellschaftsrecht im DAV zusammen mit den Auslandsvereinen Frankreich und Strasbourg und den Kollegen in diesem binationalen Spezialgebiet.

Antje Luke, Partnerin | Rechtsanwältin | Avocat à la Cour | Coliber Legal Paris | www.coliber.legal

Adi Seffer | Partner | Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht | Fachberater Unternehmensnachfolge (DStV e. V.) | PrimePartners Wirtschaftskanzlei | www.primepartners.de

Mit einem knackigen Programm zu dem Thema „Vom Gründungstraum bis zur Nachfolge“ wurde in beiden Rechtsordnungen die GmbH bzw. die SARL und SAS in ihren wesentlichen Phasen für beide Rechtsordnungen vorgestellt. Es bleibt nach wie vor für den internationalen Wirtschaftsverkehr erstaunlich, wie unterschiedlich – immer noch – die Ur-Väter der Europäischen Einigung, Deutschland und Frankreich, in diesen wesentlichen Rechtsfragen sind. Über die unterschiedlichen Gründungsvoraussetzungen von GmbH und SAS informierten die Kollegen Avocat Jörg Letschert, Paris, und RA Etienne Sprösser, Freiburg/Strasbourg, sowie über Besonderheiten der Corporate Governance.

Ergänzt wurde der erste Teil durch Avocate Cécile Puijalon-Radu, Strasbourg, durch einen Ausblick auf die französische Société à mission, eine gesellschaftsrechtliche Sonderform nachhaltigen Wirtschaftens und einen kurzen Exkurs des Kollegen RA Guido Imfeld, Aachen, zum brandneuen und stark vereinfachten belgischen Gesellschaftsrecht. Wie die lebhafte Diskussion unter der Moderation der RA’in und Avocate, Antje Luke, Paris, zeigte, waren die Hinweise aus der Praxis für die Praxis hochwillkommen.

Im zweiten Teil des rechtsvergleichenden Seminars war die Wachstumsphase der Gesellschaft das richtungsweisende Thema, Gesellschaftskapital, -Gesellschaftskredite und alternative Finanzierungsformen über Mezzanine Capital, Private Equity bis zu öffentlichen Fördermitteln und Crowdfunding haben die RA Gerhard Manz, Freiburg, Hans Messmer, Paris, und Oliver Stein, Straßburg, das wichtige Spektrum dieser wesentlichsten Phase der Gesellschaft für die französische und die deutsche Rechtsordnung praxisgerecht aufgearbeitet und dargestellt.

Im dritten Teil ging es um den Verkauf der Gesellschaft im Allgemeinen, jedoch spezifi sch bei Familiengesellschaften, aufbereitet von Antje Luke und im speziellen um die Unternehmensnachfolge, vorgebracht von RA Adi Seffer, Frankfurt. Seffer wies mit aktuellen Statistiken und den Ergebnissen einschlägiger Recherchen, z. B. des IMF, Bonn, darauf hin, dass ca. 100.000 Unternehmen in Deutschland und in etwa in gleicher Anzahl in Frankreich jährlich (!) zur Übernahme anstehen. Der ohnehin komplexe M & A-Prozess wird durch teils bestimmende emotionale Faktoren und besondere Konstellationen beeinflusst, dies auch bei externen Lösungen, in der die Besitzverhältnisse der Familie beendet werden.

Die steuerrechtliche Besonderheit im französischen Recht hierzu, der sogenannte „Pacte Dutreil“, wurde sehr anschaulich von Violaine Bouquillard, Avocate, Paris, erläutert. Den deutschen Teil hierzu, den „Verschonungsabschlag“, berichtete Nicolaj Milbradt, Avocat, Paris.

Die Schlussdiskussion moderierte, gewohnt und exzellent, RA Gerhard Manz.

Rundum eine gelungene Wiederaufnahme dieser traditionellen Veranstaltungsreihe, die in zwei Jahren (2028) in Paris fortgesetzt werden soll.

Heft 07-08 | 2026 | 75. Jahrgang