Ein Leuchtturm geht online
Praktika, Referendariatsstellen, Nebenjobs – los geht’s mit der Jobbörse!
Unter www.jurfuture-dav.de finden Sie das neue Online- Portal des Anwaltvereins für Praktika, Referendariatsstellen, Nebenjobs und Mentoring. Wir haben mit der Stud. jur. Alisa Kludßuweit und dem Rechtsanwalt und Vorsitzenden des Berliner Anwaltsvereins Dr. Dietmar Kurze darüber gesprochen, wie und warum Sie Ihre Kanzlei noch heute eintragen sollten.


BAV

Was ist die Online-Jobbörse?
Kludßuweit: Die Online-Jobbörse ist ein Portal, das sowohl Studierenden als auch Referendar:innen die (Neben-)Jobsuche, Praktikumsstellensuche und Referendariatsplatzsuche erleichtern soll. Dort können Anwält:innen ihre jeweils freien Stellen angeben und helfen dadurch nicht nur uns Studierenden und Referendar:innen, sondern finden auch für ihren Berufsalltag tatkräftige Unterstützung.
Zu finden ist die Jobbörse ganz einfach über die Jur- Future-Website des Deutschen Anwaltvereins unter „Jobs&mehr“.
Warum gibt es die Jobbörse?
Kurze: Es bestehen auf beiden Seiten Bedürfnisse für sie. Studierende und Referendarinnen und Referendare suchen Stellen, um ihre Pflicht zu erfüllen und zum Kennenlernen unseres Berufs. Für uns Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte ist es wichtig, Nachwuchs zu finden und auszubilden; sonst gehen zu viele kluge und engagierte Köpfe nicht in die Anwaltschaft, sondern in die Justiz und Verwaltung. Mit der Jobbörse ist es nun ganz einfach, interessierte Personen zu finden und kennenzulernen. Und das Ganze kostet Mitgliedern der Anwaltsvereine nichts.
Gibt es eine besondere Motivation des Berliner Anwaltsvereins?
Kurze: Wir wollen führend bei der Jobbörse sein. Als Leuchtturm wollen wir zeigen, wie es geht. Auch wenn vieles in der Justiz zu beklagen ist: Die Berliner Anwaltschaft geht bei Verbesserungen voran. Und damit helfen wir nicht nur den Studierenden, Referendarinnen und Referendaren, sondern in erster Linie uns selbst: Wir bekommen Nachwuchs für die Anwaltschaft und damit auch für den Berliner Anwaltsverein.
Welche Bedeutung haben Praktika für Studierende?
Kludßuweit: Die Praktika sind für uns im Studium verpflichtend und die einzige im Studium integrierte Möglichkeit, einen Blick in den praktischen Alltag von Jurist:innen zu werfen. Gerade die Studienjahre bis zum ersten Staatsexamen sind vor allem vom Erarbeiten theoretischer Grundlagen geprägt, die wir ohne die Praktika (oder etwaige Nebenjobs) bis zum Referendariat nie in der beruflichen Anwendung erleben könnten. Sie ermöglichen uns einerseits, die für die Klausur gelernten Inhalte besser verstehen zu können, andererseits aber auch, neue Rechtsgebiete kennenzulernen, die nicht zum Pflichtfachstoff gehören und für uns Studierende zu einem Wunschziel werden könnten.
Sind Praktika und Referendariatsstationen auch für die Kanzleien sinnvoll?
Kurze: Unbedingt. Besser als bei einem Praktikum oder einer Referendariatsstation kann man zukünftige Bewerberinnen und Bewerber nicht kennen lernen und akquirieren. Wenn man eine Akte besprochen, zusammen zu einem Gerichtstermin gefahren ist oder mal beim Mittagessen über den Urlaub gesprochen hat, weiß man viel mehr als nach jedem Bewerbungsgespräch. Zudem können wir von Referendarinnen, Referendaren und auch Studierenden unsererseits lernen: Wie tickt diese Generation, wie wird heute recherchiert, mit KI umgegangen und vieles mehr.
Wie lange müssen die Praktika zurzeit sein?
Kludßuweit: In Berlin/Brandenburg müssen insgesamt 13 Wochen Praktika absolviert werden. Davon müssen mindestens drei Wochen aneinandergereiht sein. Übrigens werden die Praktika nur dann anerkannt, wenn sie in der vorlesungsfreien Zeit absolviert werden und wir dabei unter Anleitung eines/einer Volljurist:in stehen.
Wie viele Stunden in der Woche müssen oder wollen Studierende beim Praktikum in der Kanzlei verbringen?
Kludßuweit: Die vorgegebene Mindeststundenanzahl liegt bei zwölf Stunden pro Woche. Natürlich ist dabei zu beachten, dass gerade in der vorlesungsfreien Zeit Studierende oft zusätzlich Hausarbeiten oder Klausuren schreiben müssen, sodass eine gewisse Flexibilität der Präsenzzeit zur Entlastung der Studierenden beitragen würde.
Was wäre Ihnen beim Praktikum wichtig und was meinen Sie, ist für Studierende allgemein von Bedeutung?
Kludßuweit: Mir war für meine Praktika immer wichtig, dass eine gute und freundliche Arbeitsatmosphäre herrschte und ich auch einen unterstützenden Beitrag zur Kanzleiarbeit leisten konnte.
Ich denke, dass sich die meisten wünschen, durch das Praktikum eine realistische Vorstellung über die Umsetzung der eigenen Interessen, die praktische Arbeit als Jurist:in und auch für die Arbeit im Referendariat zu bekommen. Dadurch, dass für die meisten Studierenden jeder Einblick in den juristischen Berufsalltag neu ist, ist keine Aufgabe zu uninteressant, um Erfahrungen zu sammeln. Mich hat von Akten lesen bis hin zu Mandantengesprächen begleiten jede Tätigkeit bereichert.
Meinen Sie, Praktika bei Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten tragen dazu bei, dass Studierende sich später für diesen Beruf entscheiden?
Kludßuweit: Auf jeden Fall. Ich kann insbesondere aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass ich nach dem Praktikum bei einer Rechtsanwältin ein ganz neues Interesse für den Beruf in mir entdeckt habe. Die Klausuren im Studium lassen uns meistens nur eine Perspektive einnehmen. Eine, in der wir es gewohnt sind, dass die Informationen feststehen und zweifelsfrei bewiesen sind. So lernen wir vornehmlich auf dieser Basis, unseren „juristischen Handwerkskasten“ anzuwenden. Durch Praktika bei Rechtsanwält:innen lernen wir einen ganz anderen Umgang mit juristischen Sachverhalten kennen, der vielleicht die eine oder andere Person sogar mehr anspricht als die Art, die wir im Studium kennenlernen.
Was freut Studierende beim Praktikum besonders?
Kludßuweit: Wenn wir mitarbeiten dürfen und in den Arbeitsalltag integriert werden. Die Mitarbeit kann dabei unterschiedlich ausgestaltet sein. Mich hat es z. B. sehr gefreut, wenn man mich nach meiner Einschätzung gefragt hat und sich daraus ein richtiges Gespräch über den konkreten Fall ergeben hat. Genau so schön fand ich es, als es mir zugetraut wurde, auch mal selbständig eine rechtliche Stellungnahme zu verfassen. Jeder Einblick, auch in organisatorische Abläufe einer Kanzlei, kommt bei Studierenden immer gut an.
Können auch Kolleginnen und Kollegen, die weitgehend im Homeoffice arbeiten, Praktika und Referendarstellen anbieten?
Kurze: Ich meine: Ja. Onlinetreffen sind zur Gewohnheit geworden. Akten können auch an anderen Orten gelesen werden. Sich ab und zu auf einen Kaffee zu treffen, reicht oft. Und vielleicht kann dann noch eine Woche in einer befreundeten Kanzlei vermittelt werden, damit auch dieser Eindruck gewonnen werden kann.
Was sollen Kolleginnen und Kollegen tun, die meinen, nicht genügend für die Studierenden und Referendarinnen und Referendare zu tun zu haben?
Kurze: Zunächst einmal können oder wollen die meisten gar nicht durchgängig beschäftigt werden. Sie haben mit Lernen und Nebenjobs viel zu tun. Ansonsten findet sich meist mehr zu tun, als man denkt. Und schließlich kann man bei Kolleginnen und Kollegen anfragen. Es findet sich immer einer, der einen Gerichtstermin oder sonst einen spannenden Fall hat, bei dem die Person mitmachen kann.
Zu Nebenjobs: Arbeiten Studierende gerne in Kanzleien?
Kludßuweit: Ja, definitiv. Gerade der Einblick in prozessuale Abläufe hilft bei der Klausurbearbeitung im Studium. Auch den Umgang mit der richterlichen Auslegung des Rechts aus anwaltschaftlicher Perspektive mitzuerleben, hilft beim juristischen Systemverständnis immens. Neben der inhaltlichen Vertiefung, ermöglicht die Arbeit in einer Kanzlei uns Studierenden einen Einblick in Mandantenakquise und die Herausforderungen beruflicher Selbständigkeit.
Wie viele Stunden sind Studierende meist verfügbar für die Mitarbeit in einer Kanzlei?
Kludßuweit: Die wohl für die meisten am besten mit dem Lernpensum des Studiums zu vereinbarende Stundenanzahl beträgt zehn pro Woche. Das ist natürlich nicht zwangsläufig für jeden Studierenden so. Es kommt ganz auf die individuellen Möglichkeiten und zeitlichen Kapazitäten an. In meinem Freundeskreis wird sowohl auf Minijob-Basis als auch auf Teilzeit-Werkstudentenjob- Basis gearbeitet.
Hast du Erfahrung, was zurzeit für Studierende als Mitarbeitende in Anwaltskanzleien gezahlt wird pro Stunde?
Kludßuweit: So genau kann ich das leider nicht beantworten. Für diejenigen, die zurzeit auf Minijob-Basis angestellt sind, gilt der gesetzlich festgelegte Stundenlohn.
Wie wird die Jobbörse bei den Studierenden und Referendarinnen und Referendaren beworben?
Kludßuweit: Die Studierenden erreichen wir vor allem über die sozialen Medien wie WhatsApp und Instagram. Zusätzlich wird die Jobbörse regelmäßig im JurFuture- Newsletter und in weiteren DAV-Medien wie dem Rundbrief beworben.
Ist das Einstellen einer Stelle schwierig?
Kurze: Nein, definitiv nicht. Das geht am Handy in fünf Minuten. Kanzlei, Art der Stelle eingeben, ggf. Rechtsgebiet. Ich selbst habe auf eine lange Stellenbeschreibung verzichtet, da ja grundsätzlich bekannt ist, was bei Praktika und Referendarstationen passiert. Der Rest wird dann mit den Bewerberinnen und Bewerbern unkompliziert per Mail oder Telefon geklärt.
Haben Sie noch einen Wunsch an uns Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte?
Kludßuweit: Wir freuen uns immer sehr, wenn auch die Anwaltschaft auf uns zukommt. Für viele Studierende ist die Hemmschwelle gerade am Anfang des Studiums, auf die Anwaltschaft zuzugehen, sehr hoch. Deshalb laden wir die Anwaltschaft herzlich dazu ein, mit uns persönlich in Kontakt zu treten. JurFuture – das Studierendennetzwerk – veranstaltet z. B. regelmäßig Stammtische, damit Anwaltschaft und Studierende in entspannter Atmosphäre ins Gespräch kommen können. Für die Anwaltschaft sind wir jederzeit erreichbar unter berlinjurfuture@anwaltverein.de
Kurze: Ich bitte jeden von uns, mindestens eine Stelle für ein Praktikum oder eine Referendariatsstation einzustellen und mindestens eine Kollegin oder Kollegen dazu zu motivieren. Wir sollten nicht über mangelnden Nachwuchs klagen, sondern etwas tun.
Sich durch das Angebot von Praktika und Referendarstellen an der Ausbildung von Kolleginnen und Kollegen zu beteiligen, sollte so selbstverständlich sein, wie es die Mitgliedschaft im Berliner Anwaltsverein ist.
Vielen Dank für das Interview.


