Kammerpräsident verabschiedet sich auf der Kammerversammlung

Zur Verabschiedung von Herrn Rechtsanwalt und Notar Dr. Mollnau als Präsident der Rechtsanwaltskammer Berlin war Herr Rechtsanwalt Freyschmidt als Vorsitzender des Berliner Anwaltsvereins gebeten worden, in der Kammerversammlung am 1. März 2023 ein paar Worte zu sagen. Seine Rede in Auszügen: Bereits bei unserem ersten Gespräch im Jahr 2016 entwickelte sich ein vertrauensvolles Verhältnis, das nicht nur zu einer mehrjährigen guten Zusammenarbeit, sondern auch zu wichtigen gemeinsamen Projekten geführt hat.

Uwe Freyschmidt | Rechtsanwalt | Fachanwalt für Strafrecht | Vorsitzender des Berliner Anwaltsvereins

Kammerpräsident Dr. Marcus Mollnau verabschiedet sich auf der Kammerversammlung.
Quelle: RAK Berlin

Uwe Freyschmidt, Vorsitzender des Berliner Anwaltsvereins, dankte dem Präsidenten
sehr. Quelle: RAK Berlin

Sehr gern denke ich dabei an unsere Initiative zurück, Kolleginnen und Kollegen dazu zu motivieren, ehrenamtliche Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu übernehmen. Mehr als 900 Berliner Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben in der Folge eine ehrenamtliche Vormundschaft übernommen. Fast hätten wir mit dieser Initiative den Nationalen Integrationspreis der Bundeskanzlerin gewonnen. Weitere gemeinsame Projekte folgten und ich gehe fest davon aus, dass auch mit dem neu gewählten Vorstand die gute Zusammenarbeit zwischen RAK Berlin und BAV fortdauern wird.

Lieber Marcus, um über einen Zeitraum von zehn Jahren das Amt des Kammerpräsidenten auszuüben, bedarf es vor allem Durchhaltevermögens. Das kann und wird dir niemand absprechen. Ich denke dabei nur exemplarisch an die Kammerversammlung im Jahr 2015 im Haus der Kulturen der Welt zurück, die nicht nur vor vollen, mit über 1000 Kammermitgliedern besetzten, Rängen stattfand, sondern noch dazu von 15:00 bis 22:30 Uhr dauerte. Grund für diese Mammutsitzung war nicht nur die Wahl neuer Vorstandsmitglieder, sondern – manche werden es erinnern – die Anträge zur berufsrechtlichen Stellung der Syndikusanwältinnen und -anwälte. In der äußerst kontrovers geführten Diskussion vertrat der Kammervorstand im Einklang mit der BRAK eine andere Position als das Bundesministerium der Justiz. 7,5 Stunden in einer durchaus aufgeheizten Atmosphäre – es gab damals wohl niemanden, der dich in dieser Sitzung um dein Amt beneidete. Ähnliche Gefühle musste man in der Kammerversammlung im März 2018 hegen, in der es um die Nutzung des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs ging. Wir erinnern uns, dass die Einführung des beA alles andere als reibungslos verlaufen war. Nun forderten die Kammermitglieder personelle, wirtschaftliche und technische Konsequenzen auf Seiten der BRAK. Ich weiß nicht, ob in einer Kammerversammlung jemals derart viele Anträge zu einem Thema gestellt wurden, mit 21 verschiedenen Abstimmungen scheint mir das beA die Spitzenposition einzunehmen. Und inmitten dieses Sturms hast du, lieber Marcus, das Steuerrad nicht aus der Hand gegeben und versucht, den durchaus mutigen, eigenständigen Kurs der Berliner Kammer zu halten.
Noch einmal sage ich dir vonseiten der vielen Mitglieder der Kammer vielen Dank, lieber Marcus, für dein langes, erfolgreiches Engagement für die Berliner Anwaltschaft.

Exklusiv für Mitglieder | Heft 05/2023 | 72. Jahrgang