KI in der juristischen Praxis

GPT-generierte Zusammenfassungen vereinfachen die Recherche

Auch auf dem Rechtsmarkt entwickelt sich das digitale Ökosystem stetig weiter. Durch die Integration von künstlicher Intelligenz (KI) wie natürlicher Sprachverarbeitung (NLP) und generativer KI (GenAI) in softwarebasierten Expertenlösungen wird der globale Legal-Tech-Markt aktuell neu justiert. Damit reagieren Anbieter von Softwarelösungen auf den steigenden Bedarf an Technologie und KI-gestützten Lösungen, mit denen Jurist:innen ihre Prozesse verbessern und effizienter gestalten und letztendlich ihre Kosten senken können. Ein Beispiel sind GPT-generierte Zusammenfassungen von Gerichtsurteilen und Beschlüssen, die ab sofort auf der Rechercheplattform Wolters Kluwer Online in einer Beta-Version zur Verfügung stehen. In der juristischen Recherche können Jurist:innen mit Hilfe von KI Inhalte besser und schneller recherchieren, wodurch die Fallbearbeitung wesentlich vereinfacht wird.

Dr. Dirk Schrameyer, LL.M. (USA) | Leiter des Bereichs Digital Product Management Legal bei Wolters Kluwer in Deutschland | www.wolterskluwer.com

Der Rechtsmarkt ist im Umbruch, lässt sich mutig auf Innovationen wie generative KI ein und treibt gleichzeitig den Einsatz spezialisierter juristischer Technologielösungen voran, um die tägliche Arbeit zu verbessern. Und das alles, während Kanzleien und Rechtsabteilungen mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert sind, um wichtige Anforderungen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) zu erfüllen und qualifizierte Fachkräfte einzustellen und zu binden.

„73 Prozent der Jurist:innen erwarten, dass sie künftig generative KI in ihre juristische Arbeit integrieren werden“

Diese Entwicklung hin zum Einsatz von KI bestätigt die Future Ready Lawyer Studie 2023 von Wolters Kluwer, einer jährlich durchgeführten Umfrage unter 700 Jurist:innen in Anwaltskanzleien und Rechtsabteilungen aus den USA und Europa. Die Studie bestätigt: 73 Prozent der Jurist:innen erwarten, dass sie künftig generative KI in ihre juristische Arbeit integrieren werden. Der Einsatz von Technologie hat sich als fester Bestandteil im Arbeitsalltag von Jurist:innen etabliert: 87 Prozent gaben an, dass Technologie ihre tägliche Arbeit verbessert hat. Dabei erkennen sie die zentrale Rolle von Technologie bei der Schaffung von Mehrwerten sowohl für ihre eigene Organisation als auch für die Gesellschaft als Ganzes. Ob es um die Verbesserung in der Zusammenarbeit, die Festigung von Mandant:innen-Beziehungen oder die Optimierung von Arbeitsabläufen geht: Technologie sichert die Zukunftsfähigkeit der Branche.

DEN RECHTSMARKT GESTALTEN

Umso wichtiger ist es, dass Lösungsanbieter kontinuierlich daran arbeiten, fundiertes Fachwissen und Technologiekompetenz anwenderorientiert zusammenzuführen, um kundenzentrierte Lösungsangebote zu schaffen. Als weltweit erfolgreiches Technologieunternehmen setzt Wolters Kluwer auf Partnerschaften mit Unternehmen wie Microsoft oder Google und forscht bereits seit vielen Jahren auf dem Themenfeld KI. 93 Prozent des weltweiten Umsatzes von 5,5 Milliarden Euro (2022) macht das Unternehmen mittlerweile mit Digital & Services. Das unterstreicht die Führungsrolle, die Wolters Kluwer international als Informationsdienstleister mit großer Technologiekompetenz einnimmt. Weltweit arbeiten bei Wolters Kluwer mehr als 1000 Spezialist:innen allein in der technologischen Forschung und Entwicklung – von der Programmierung über User Experience oder Anwendungsentwicklung bis hin zu Computerlinguistik und Artificial Intelligence. Diese vielfältige Expertise ermöglicht Wolters Kluwer die Entwicklung marktreifer digitaler Lösungen und Komponenten. Seit 2018 experimentiert das Unternehmen bereits mit Sprachmodellen, welche für den Einsatz im Rechtsmarkt speziell auf juristisches Wissen trainiert werden, um kuratierten und rechtssicheren Content zu generieren.

Die Erfahrungen vieler Anwender:innen im Rahmen des weltweiten GPT-Hypes haben gezeigt, wie wichtig und ratsam es ist, auf verlässliche Technologieanbieter zu setzen, die sowohl eine inhaltliche als auch eine technologische Kompetenz mitbringen und die auch immer sorgsam abwägen, an welcher Stelle KI-gestützte Lösungen zum Kund:innenwohl integriert werden können und sollen.

Als Technologieunternehmen, das fundiertes Fachwissen mit anwenderorientierter Technologie verbindet, geht es Wolters Kluwer immer darum, Expert:innen in Kanzleien, Notariaten, Rechtsabteilungen und im öffentlichen Sektor dabei zu unterstützen, effizienter zu arbeiten, Risiken zu minimieren und komplexe Problemstellungen sicher und überzeugend zu lösen. Profunde Expertise in klar definierten Fachgebieten, Praxisnähe und anwendungsorientierte Technologien unterstützen Jurist:innen dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Transparenz, Sicherheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten

QUALITÄT DURCH EVALUATION

Alle Lösungen müssen immer in enger Interaktion mit den Kund:innen und entlang deren Bedürfnissen entwickelt werden. Wolters Kluwer setzt dabei regelmäßig auf Verprobungen und Evaluierungen der Produkte, auch schon in der Entwicklungsphase, und entwickelt bestehende Produkte kontinuierlich weiter. Wichtig ist auch hier eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit der Inhalte. Am Beispiel von GPT (Generative Pre-trained Transformer) zeigt sich: Das praktische Potenzial ist groß, aber man muss „Halluzinationen“, also das Generieren von Informationen, die nicht auf Fakten basieren, ausschließen – das gilt um so mehr für Anbieter von Informationen, die höchst verlässlich und rechtssicher sein müssen. Aktuell laufen bei Wolters Kluwer mehr als 50 dezentrale Experimente in verschiedenen Ländern, um mögliche Komponenten für den Markteinsatz zu entwickeln und zu testen.

In der juristischen Recherche haben wir mit „Legal Analytics“ bereits erste Erfahrungen im Live-Betrieb gesammelt: Hier ermöglicht die KI die natürlich-sprachige Eingabe juristischer Sachverhalte in der Suche. Tools wie „LawTracker“ und „Legal Assist“ analysieren Dokumente, zum Beispiel ein eingehendes Schreiben, auf rechtliche Referenzen und ermöglichen dann einen direkten Zugriff auf die Inhalte verschiedener juristischer Datenbanken wie Wolters Kluwer Online direkt aus einem PDF- oder Word-Dokument heraus. Unter dem Strich geht es immer darum, KI-Komponenten zu entwickeln, die den Arbeitsprozess unserer Kund:innen an entscheidender Stelle vereinfachen und effizienter machen.

VEREINFACHTE FALLBEARBEITUNG MIT „GPT-ZUSAMMENFASSUNG“

„GPT-Zusammenfassung“ ist ein Beispiel für ein GPTExperiment, das es bis zur Marktreife geschafft hat. Die Idee entstand in Deutschland, wurde im Zusammenspiel mit internen Expert:innen in globalen Teams umgesetzt und der Launch erfolgte Anfang Dezember 2023. Seitdem erweitert „GPT-Zusammenfassung“ die juristische Recherche auf Wolters Kluwer Online um ein innovatives Feature: GPT-generierte Zusammenfassungen von gerichtlichen Entscheidungen ermöglichen es, den Inhalt von Urteilen und Beschlüssen auf einen Blick zu erfassen.

„Alle Lösungen müssen immer in enger Interaktion mit den Kund:innen und entlang deren Bedürfnissen entwickelt werden“

Im Gegensatz zum Leitsatz werden gerichtlichen Entscheidungen mithilfe der GPT-Technologie als Ganzes ohne menschliche Beteiligung zusammengefasst, inklusive Sachverhalt und Verfahrensgang. Entscheidungen können so schneller auf eine mögliche inhaltliche Relevanz für die konkrete juristische Fragestellung bewertet werden. Die Fallbearbeitung beschleunigt sich erheblich, da nicht mehr alle gerichtlichen Entscheidungen vollständig gelesen werden müssen. Dadurch ist es möglich, innerhalb kurzer Zeit genau die Entscheidungen zu identifizieren, die für einen bestimmten Sachverhalt und die eigene juristische Argumentation relevant sind. Das neue GPT-Feature reduziert den Zeitaufwand für die juristische Recherche erheblich: Zum Produktstart sorgen bereits mehrere Zehntausend im Vorfeld vorproduzierte GPT-generierte Zusammenfassungen für ein sofortiges Verständnis von Gerichtsentscheidungen seit 2021. „GPTZusammenfassung“ ist aktuell in einer Beta-Version für alle Nutzer:innen von Wolters Kluwer Online verfügbar und wird stetig weiterentwickelt, insbesondere mit Blick auf die inhaltliche Genauigkeit. Nutzer:innen können direktes Feedback geben, welches dann von Wolters Kluwer in die Produktweiterentwicklung einbezogen wird. So verbessern wir gemeinsam mit unseren Kund:innen kontinuierlich die Qualität der GPT-generierten Zusammenfassungen.

Der GPT-Algorithmus nutzt zudem ausschließlich interne Daten von Wolters Kluwer, es findet also kein Training durch externe Daten statt. So sind hohe Standards für Datenintegrität und -sicherheit gewährleistet, im Einklang mit der Verpflichtung von Wolters Kluwer, strenge Datenschutzprotokolle und die eigenen globalen KI-Prinzipien unter anderem zu Datenschutz und Sicherheit, Transparenz und Erklärbarkeit sowie Governance und Rechenschaftspflicht für unsere Kund:innen einzuhalten. Die GPT-generierten Zusammenfassungen sind zunächst in Deutschland nutzbar und werden anschließend weltweit auch in andere Recherchelösungen von Wolters Kluwer integriert.

Mit „Legal Analytics“, „LawTracker“, „Legal Assist“ und der „GPT-Zusammenfassung“ ist die Entwicklung KI-basierter Tools und Features für den Rechtsmarkt aber sicherlich erst am Anfang. Und auch für unsere Zielgruppen in der öffentlichen Verwaltung kann KI eine wichtige Unterstützung in Zeiten des Fachkräftemangels werden. Unter anderem arbeiten wir hier an einer KIEinbindung in das Antragsmanagement sowie an Lösungen zur Prozessautomatisierung im Zusammenspiel mit Fachverfahren.

Die Zukunft im Rechtsmarkt bleibt also spannend und hat durch die gezielte Anwendung von Sprachmodellen im juristischen Arbeitsprozess eine weitere interessante Komponente hinzugewonnen.

Weitere Informationen zu Wolters Kluwer gibt es auf www.wolterskluwer.com.

Exklusiv für Mitglieder | Heft 03 | 2024 | 73. Jahrgang

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