Mutig und furchtlos
Ein Abend für Pionierinnen, Wegbereiterinnen und junge Juristinnen
Der Deutsche Juristinnenbund e. V. (djb) hat am 26. März 2026 in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien der Humboldt- Universität zu Berlin den Jutta-Limbach-Preis an das djb Dok-Net verliehen – für herausragende Leistungen junger Juristinnen, die Rechtsentwicklung prägen und Impulse für Gleichstellung und Rechtsstaatlichkeit setzen.
Dr. Benjamin Limbach, Minister der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen, eröffnete den Abend mit einer Erinnerung an seine Mutter Prof. Dr. Jutta Limbach (1934 – 2016), die Namensgeberin des Preises. „Halt mir das Fräulein Müller nicht vom Promovieren ab“, habe sie gesagt, als ihr Sohn von seiner Freundin und späteren Ehefrau erzählte. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Dissertation ihrer Schwiegertochter betonte sie dieses mit Stolz in der Hochzeitsrede. Das verdeutlicht, welchen hohen Stellenwert wissenschaftliche Arbeit für Jutta Limbach hatte – und wie sehr es ihr ein Anliegen war, Frauen zu fördern und sichtbar zu machen.

Dr. Benjamin Limbach (Minister der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen) und Prof. Dr. Heide Pfarr (djb-Ehrenmitglied) erlebten einen schönen Abend

Ganz in diesem Sinne stand auch die Preisverleihung: Junge Juristinnen und ihre Leistungen sollten gewürdigt werden. Die Preisträgerinnen des djb Dok-Net – Dr. Kerstin Geppert, Dr. Annalena Mayr, Lara Schmidt und Marlene Wagner – bauen seit 2021 ein starkes Netzwerk für Promovierende auf. Ihr ehrenamtliches Engagement schafft Austauschmöglichkeiten, fördert gegenseitige Unterstützung und setzt Impulse rund um die Promotion. Bereits elf digitale Schreibwerkstätten wurden organisiert, weitere sind geplant. Durchschnittlich nehmen rund 110 Promovierende an den Formaten teil, der Verteiler umfasst inzwischen mehr als 470 Personen. Ergänzt wird das Angebot durch verschiedene Veranstaltungsreihen, wie zum Beispiel „Der steinige Weg der Promotion und seine Abschnitte”. Für viele junge Juristinnen im Dok-Net sei Jutta Limbach ein wichtiges Vorbild. „Ich möchte nicht sagen, dass die Schreibwerkstatt mein Leben verändert hat –, aber mein Dissertationsleben auf jeden Fall“, sagte Dr. Annalena Mayr in ihrer Dankesrede. Im Rahmen der Preisverleihung wurde zudem die neu gegründete Jutta-Limbach- Bibliothek vorgestellt. Ausgewählte Dissertationen des Dok-Nets wurden ausgestellt und gaben Einblick in die thematische Vielfalt und das wissenschaftliche Niveau der Arbeiten.
DIE „MISS MARPLE DER JUSTIZ“
Jutta Limbach war eine der prägenden Persönlichkeiten des deutschen Rechtslebens: Rechtswissenschaftlerin, Professorin an der Freien Universität Berlin, Politikerin (SPD), Berliner Justizsenatorin, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und später Präsidentin des Goethe- Instituts. Als langjähriges Mitglied des djb setzte sie sich engagiert für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung ein.
Prof. Dr. Heide Pfarr, ebenfalls djb-Ehrenmitglied und wie auch Jutta Limbach 1989 zur Senatorin im Berliner Senat ernannt, erinnerte in ihrer Rede an Limbachs Durchsetzungsstärke: „Jutta war mutig, vielleicht besser ausgedrückt: furchtlos. Wenn sie etwas in Ordnung bringen oder verbessern wollte – und das wollte sie stets, wo auch immer sie gerade tätig war –, dann traf sie natürlich auch und nicht zu knapp auf Widerstände, gar Feindseligkeit, insbesondere, wenn sie mit guten Gründen vom allgemeinen Konsens abwich. Sie blieb standhaft und machte kein großes Gewese darum, verkündete vergnügt: Ich bin jetzt der Rüpel der letzten Bank.“
„DEIN SCHARFER GEIST IST DEIN GEWEHR“
Eröffnet wurde der Abend von Prof. Dr. Susanne Baer, Präsidentin des djb und Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt- Universität zu Berlin. Die Laudatio hielt die ehemalige djb-Präsidentin Prof. Dr. Maria Wersig, der ein besonderer Dank für ihre Unterstützung bei der Entstehung des Dok-Nets ausgesprochen wurde. Den Abschluss des Abends bildete ein musikalischer Moment: Gemeinsam mit der Musikerin Suli Puschban sangen die Gäste den eigens für die Veranstaltung geschriebenen Song „Die feministische Ikone“, der an diesem Abend seine Uraufführung feierte. Die Zeile – „Dein scharfer Geist ist dein Gewehr“ – hätte wohl auch Jutta Limbach gefallen. Für all das schafft der djb den Rahmen. Der Verein setzt sich für Geschlechtergerechtigkeit und eine diskriminierungsfreie Gesellschaft ein und leistet damit einen wichtigen feministischen Beitrag zum rechtspolitischen Diskurs.

