Referendar:innenfrühstück 2.0
Rückblick auf das Referendar:innenfrühstück des FORUMs Junge Anwaltschaft am 28.11.2025
Nach dem großen Erfolg des Referendar:innenfrühstücks im Jahr 20241 stand schnell fest, dass das Format eine Wiederholung verdient. So trafen sich die drei Vortragenden bereits im Februar 2025, um die Weichen für die Nachfolgeveranstaltung zu stellen. Da die organisatorischen Abläufe inzwischen eingespielt waren, lag der Schwerpunkt diesmal vor allem auf der Bewerbung der Veranstaltung. Dabei konnten wir auf zahlreiche Unterstützende zählen, die engagiert für unser Format geworben haben. Unser Dank gilt insbesondere dem Berliner Anwaltsverein, der Rechtsanwaltskammer Berlin, der Justizakademie Brandenburg, dem ReferendarInnenrat des Kammergerichts Berlin, den Fachschaften der Universitäten und JurFuture Berlin, sowie allen, die nicht zuletzt auch bei Social Media fleißig unsere Beiträge geteilt haben.
Diese Werbemaßnahmen zeigten Wirkung: Auch in diesem Jahr durften wir wieder rund 20 Teilnehmende begrüßen – darunter sogar Referendar:innen aus Halle und Kiel. Die teils weiten Anreisen machten deutlich, dass wir hier durchaus einen Nerv getroffen haben: Denn die ersten Schritte in die Anwaltschaft werden im Referendariat nicht weiter beleuchtet und stellen daher für viele eine große Unwägbarkeit dar. Hauptanliegen des Referendar:innenfrühstücks ist es, diese Lücken zu schließen.


Angélique Semmler | Rechtsanwältin, | Fachanwältin für Miet- und WEG-Recht sowie Dozentin für Mentale Gesundheit bei Jurist:innen | www.immobilienanwaeltin.de
Allan Böhner | Rechtsanwalt und Regionalbeauftragter des FORUMs Junge Anwaltschaft für Berlin
I. DER BUSINESSPLAN
Den Auftakt machte erneut unser Kollege Rechtsanwalt Raoul Beth mit dem Thema „Der Businessplan“. Anschaulich erläuterte er, worauf man zu Beginn der anwaltlichen Tätigkeit achten sollte, um eine tragfähige Finanzplanung zu erstellen. Dabei zeigte sich schnell, dass das Erstellen eines Businessplans gar nicht so schwierig ist, wenn man bereit ist, sich den Zahlen realistisch zu stellen. Viele Fragen aus dem Plenum führten zu einem regen Austausch, in dem auch Themen wie die freiwillige Arbeitslosenversicherung, notwendige Versicherungen und steuerliche Aspekte ihren Platz fanden. Die angeregten Diskussionen zeigten, wie zentral dieses Thema für Berufsanfänger:innen ist – der Vortrag wurde daher mit großem Dank aufgenommen.
„Kann ein Sekretariat durch KI wirklich ersetzt werden“
Der Diskurs zeigte zugleich, vor welchen Herausforderungen die Berufsanfänger:innen heutzutage stehen: benötigt man von Beginn an ein eigenes Büro oder reicht das Homeoffice zunächst aus? Wie können durch digitale Kanzleistrukturen Abläufe effizient gestaltet werden und welche Bedeutung hat analoges Arbeiten noch? Kann ein Sekretariat durch KI wirklich ersetzt werden? – Der weitere Austausch ergab, dass nicht nur das gewählte Rechtsgebiet Einfluss darauf hat, welches Arbeitsmodell man wählt, sondern auch, dass individuelle Vorlieben eine große Rolle spielen. Dass all diese Überlegungen Kostenfaktoren sein können und dann ihren Einzug in den Businessplan finden müssen, machte Herr Kollege Beth deutlich.
II. ORGANISATION DER ANWALTSCHAFT
Im Anschluss referierte Kollege Rechtsanwalt Allan Böhner über die „Organisation der Anwaltschaft“ und stellte die wichtigsten Punkte vor, die angehende Rechtsanwält:innen unmittelbar vor ihrer Zulassung erwarten: die Struktur und Aufgaben der Rechtsanwaltskammer, das Versorgungswerk und natürlich das beA. Dieser Einblick in die ersten Schritte des Berufslebens erwies sich als wertvolle Orientierungshilfe und machte das Thema „Zulassung“ deutlich greifbarer als rein schriftliche Informationen. Besonders betonte Herr Kollege Böhner die Bedeutung der jährlich stattfindenden Kammerversammlung und empfahl allen zukünftigen Anwältinnen und Anwälten ausdrücklich den Besuch. Das aktive Einbringen in die demokratisch organisierte Anwaltschaft ist unerlässlich, um die Zukunft des Berufsstands zu gestalten und gemeinsam voranzukommen.
Ein großes Anliegen war es Herrn Kollegen Böhner auch, auf die Nachversicherung im Versorgungswerk hinzuweisen, da dieses Thema während des Referendariats in der Regel nicht weiter angesprochen wird und Berufsanfänger:innen mit diesem Begriff zumeist wenig anfangen können. In diesem Zusammenhang entspann sich im Plenum das Gespräch über die aktuelle Rentendebatte und, wie die Anwaltschaft von den Entwicklungen betroffen ist.
„Es wurde viel über die Zukunft der Anwaltschaft gesprochen und diskutiert“
Sowieso wurde auch viel über die Zukunft der Anwaltschaft gesprochen und diskutiert. Dies umfasst die bereits erwähnte fortschreitende Digitalisierung von Arbeitsschritten, aber auch den Einsatz von KI und die Auswirkungen des demografischen Wandels.
III. NETZWERKEN
Den Abschluss bildete der Vortrag von Kollegin Rechtsanwältin Angélique Semmler zum Thema „Netzwerken“. Sie stellte verschiedene Netzwerkgruppen – darunter selbstverständlich das FORUM Junge Anwaltschaft und den Berliner Anwaltsverein – sowie Mentoringprogramme vor und gab praxisnahe Tipps, wie man den Besuch entsprechender Veranstaltungen am besten plant. Sie regte an, gegebenenfalls allein an Veranstaltungen teilzunehmen oder sich vorher aufzuteilen, sollte man mit anderen gehen. Selbst wenn anfangs Unsicherheiten bestehen, betonte sie, finde man in den allermeisten Fällen schnell Anschluss. Wie immer folgte zum Schluss noch die Abfrage, wer auf LinkedIn vertreten ist – verbunden mit der Einladung, sich im Nachgang zu vernetzen, was dann auch in großer Vielzahl geschah. Frau Kollegin Semmler hat durch ihren Impulsvortrag ein Kernanliegen des FORUMs Junge Anwaltschaft vorgebracht: dass es zusammen einfach leichter geht, auch mehr Spaß macht und Kontaktpflege in unserem Berufsstand unerlässlich ist. Dass auch durch das Referendar:innenfrühstück sich die eine oder andere persönliche Verbindung zwischen den Teilnehmenden ergibt, ist immer ein schöner Nebeneffekt dieser Veranstaltung.
„Es entwickelten sich lebhafte Gespräche und wie schon im Vorjahr verging die Zeit schneller als geplant“
Nach den Vorträgen nutzten die Teilnehmenden dann auch sofort die Gelegenheit, in den Austausch zu gehen und Fragen zu stellen. Es entwickelten sich lebhafte Gespräche und wie schon im Vorjahr verging die Zeit schneller als geplant.
IV. FAZIT UND AUSBLICK
Das Referendar:innenfrühstück war auch dieses Mal ein voller Erfolg und es wird eine weitere Fortsetzung erleben. Das Format bietet Referendar:innen sowie jungen Anwältinnen und Anwälten die Möglichkeit, über die vermittelten Informationen hinaus wertvolle Einblicke aus erster Hand zu gewinnen. Gerade der offene und freundliche Rahmen schafft eine Atmosphäre, in der sich alle trauen können, die Fragen zu stellen, die sie wirklich bewegen.
Die Veranstaltung hat gezeigt, dass durchaus Interesse am Anwaltsberuf besteht. Zugleich gibt es jedoch viele Fragen und Unsicherheiten, die die Entscheidung für den Beruf erschweren. Uns allen dürfte dies bekannt sein. Veranstaltungen wie diese geben Referendar:innen die Möglichkeit, Informationen zu bekommen; wir als erfahrene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte können ihnen dagegen Ängste nehmen und den Beruf „greifbarer“ machen. Der Schritt in die Selbständigkeit bleibt groß – aber dem Sprung ins kalte Wasser können so einige damit verbundene Unsicherheiten genommen werden.
„Referendar:innen und junge Berufsanfänger:innen bleiben eine wichtige Zielgruppe des DAV“
Für die Veranstaltenden war es daher erneut eine Freude, das Frühstück auszurichten – in der Hoffnung, der einen oder dem anderen ein Stück Orientierung für die weitere Berufsplanung gegeben zu haben. Dass viele Referendar:innen auch von weither den Weg nach Berlin gemacht haben, zeigt, welch großes Interesse an derartigen Formaten besteht und, wo Veranstaltungen anknüpfen müssen. Referendar:innen und junge Berufsanfänger:innen bleiben eine wichtige Zielgruppe des DAV, des Berliner Anwaltsvereins und des FORUMs Junge Anwaltschaft. Dieser Gruppe den besten Start in den Anwaltsberuf zu ermöglichen, ist schließlich allen zuträglich und stärkt die Kollegialität untereinander ungemein.
Unser herzlicher Dank gilt allen Teilnehmenden und Vortragenden sowie allen, die das Frühstück in jedweder Form unterstützt und darauf aufmerksam gemacht haben – und insbesondere dem DAV für die wertvolle Hilfe bei der Organisation.
Das nächste Referendar:innenfrühstück soll am Freitag, den 6. November 2026 stattfinden.

