Über die Geschichte einer Teilung zur Gemäldegalerie im Kammergericht

Forum Recht und Kultur im Kammergericht.

Der Berliner Anwaltsverein ist Mitglied in dem Verein „Forum Recht und Kultur im Kammergericht“. Davon haben Sie noch nie etwas gehört oder gelesen? Nun, ich hoffe, das wird sich ändern. Für mich ist es ein Vergnügen, Veranstaltungen und Versammlungen dieses Vereins zu besuchen und den BAV e.V. in meiner Eigenschaft als stellvertretende Vorsitzende zu vertreten. Nach mehr als drei Jahren fand am 22. März 2023 die Mitgliederversammlung in Präsenz im Plenarsaal statt. Die Akustik in dem Saal ist eigentlich schrecklich, aber das nimmt der Jurist in Kauf, vor allem, wenn sich nach der sehr harmonischen Versammlung ein höchst interessanter Vortrag anschließt.

Claudia Frank | Rechtsanwältin | Stellvertretende Vorsitzende des Berliner Anwaltsvereins | Stellvertretende Vorsitzende des Verbandes freier Berufe Berlin | Probandt PartGmbB

Nach der Mitgliederversammlung folgte ein Vortrag – heute würden wir sagen ein „Podcast“ – über die Geschichte des Berliner Landgerichts und den langen Weg der Teilung. Sicherlich ist es noch nicht allen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten in dieser Stadt bekannt, dass das Landgericht mit seinen drei Standorten – endlich – zum 1. Januar 2024 geteilt werden soll. Die Strafkammern am Standort Moabit sollen dem Landgericht Berlin I, die Zivilkammern an den Standorten Tegeler Weg sowie Littenstraße dem Landgericht Berlin II angehören.
Das Landgericht Berlin wurde erstmals im Jahr 1879 als Teil des neu geschaffenen Gerichtsbezirks Berlin gegründet. Es wurde im Laufe der Jahre mehrmals umstrukturiert und erweitert. In den 1920er-Jahren wurde das Gerichtsgebäude in der Berliner Littenstraße erbaut. In den folgenden Jahrzehnten verzeichnete das Landgericht Berlin eine steigende Anzahl von Fällen, insbesondere im Bereich des Strafrechts. Heute ist das Landgericht Berlin eine der größten Gerichtsbehörden in Deutschland. Am Landgericht Berlin arbeiten insgesamt etwa 360 Richterinnen und Richter sowie rund 800 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch Rechtspfleger, Justizfachangestellte und Verwaltungspersonal. Bereits unter der Präsidentschaft von Dr. Pickel wurde die Teilung des LG angestrebt. Die Nachfolgerin, Frau Gabriele Nieradzik, bemühte sich weiter, denn sie spürte die Notwendigkeit am eigenen Leibe. Vor allem das Strafgericht hatte einen immer höher werdenden Personalbedarf, der dazu führte, dass Zivilrichter vom Tegeler Weg in eine Strafkammer versetzt wurden. Wie die Ergebnisse am Anfang aussahen, mag man sich als Anwalt nicht vorstellen. Von der Politik wurde bis 2022 das Projekt „Landgericht“ nicht sonderlich beachtet. Frau Gabriele Nieradzik wechselte 2018 in ein Ministerium und ihr Nachfolger Dr. Matthiessen übernahm mit dem Amt auch das Bemühen um die Teilung. Letztendlich gelang es mit Hilfe der noch amtierenden Justizsenatorin, die mit viel Engagement zu einem Gelingen dieses Projekts beigetragen hat. Der Präsident des Kammergerichts, Herr Dr. Pickel, hatte geladen und Frau Senatorin Dr. Kreck kam, unprätentiös wie immer, in Bomberjacke und Jeans, mischte sich unter uns und erzählte als Dritte im Bunde, wie sie sich der Sache annahm und in nur einem Jahr zur Vollendung brachte.
Es war höchst interessant, diese Seite der Berliner Justiz kennenzulernen, die sich zumindest nach der Zeitspanne von ca. 20 Jahren in die unrühmliche Geschichte dieser Stadt einreiht. Danach durften wir die ehemaligen Privatgemächer der Präsidenten des Kammergerichts durchschreiten, um uns im Empfangsaal mit Speis und Trank auszutauschen. An den Wänden dieser Gemächer hängen Gemälde der ehemaligen Präsidenten des Kammergerichts. Welch ein Kunstgenuss. Dr. Pickel war so freundlich, uns von dieser „Kunst“-Geschichte des Kammergerichts zu erzählen.
Die Gemäldesammlung des Kammergerichts war nach dem Krieg verschwunden und für verloren geglaubt. Erst nach 64 Jahren hat man 16 der 26 Gemälde wiedergefunden. Den Wert der Bilder hat noch niemand beziffert. Es sind meist Porträts einstiger Präsidenten des obersten Berliner Landesgerichts. Sie wurden im Auftrag des Kammergerichts porträtiert. Von dem Berliner Hofmaler Antoine Pesne stammt ein Porträt aus dem Jahre 1730. Max Liebermann malte 1914 den Kammergerichtspräsidenten Wilhelm Heinroth, der im Kammgericht in einer 16-Zimmer-Dienstwohnung lebte. Nach dem Krieg glaubte man, die Gemälde seien für immer verschwunden. Ein Richter im Ruhestand hatte sich mit der Geschichte des Kammergerichts befasst und in alten Unterlagen einen Hinweis auf Max Liebermann gefunden. Davon erzählte er der damaligen Präsidentin des KG, Frau Monika Nöhre.

„Nach dem Krieg glaubte man, die Gemälde seien für immer verschwunden“

Frau Nöhre ließ weiter forschen und erfuhr, dass sich das Heinroth-Porträt im Märkischen Museum befindet. Das wiederum teilte mit, dass im Depot noch weitere 15 Gemälde aus dem einstigen Bestand des Kammergerichts aufbewahrt werden. Diese Gemälde waren dem Märkischen Museum 1952 vom damaligen Ost-Berliner Magistrat übergeben worden. Mit den Gemälden tauchte auch die Akte in der Registratur des Gerichts wieder auf. Sie wurde bis 1970 geführt und danach ordnungsgemäß abgelegt. Die alte Akte hat die Nummer 5310 E-A 1. „Gemälde des früheren Kammergerichts“ steht auf dem Einband. Der erste Eintrag stammt vom 11. September 1945. „26 Gemälde“, heißt es dort, „holte an jenem Tag ein Bote im Kammergericht an der Elßholzstraße in West-Berlin gegen Empfangsbescheinigung“ ab, um sie in den Ostsektor zu bringen. Im Zuge der Teilung der Stadt und damit auch der Berliner Justiz, verlor sich die Spur der Bilder.
Wir freuen uns schon auf die nächsten Veranstaltungen des Vereins, die schon geplant sind. Übrigens, Sie können auch Mitglied im Verein werden, wir würden uns über rege Nachfrage sehr freuen.

Exklusiv für Mitglieder | Heft 05/2023 | 72. Jahrgang