Wieder zu neuer Kraft finden

Wie Sie mit Ressourcenarbeit Ihre Batterien wieder aufladen.

Haben Sie schon mal den Begriff „Ressourcenarbeit“ gehört? Im Zusammenhang mit dem Begriff Coaching vielleicht? Nein? Dann sind Sie hier richtig. Im Folgenden gebe ich einen kurzen Überblick über diese Methode und was sie mit einem Flug, einer Tasse Tee und einem Marathon gemeinsam hat.

Angélique Semmler | Rechtsanwältin | Coach für Jurist:innen | www.rechtsanwältin-semmler.de

WAS IST RESSOURCENARBEIT?

Ressourcenarbeit ist ein wichtiges Tool im Coaching und in der Therapie. Sie ermöglicht es der Person im Coaching, zunächst „die Batterie aufzuladen“, um Kraft und Motivation für die weitere Arbeit zu finden. Jeder von uns hat schon mal Ressourcenarbeit gemacht, es aber gar nicht wahrgenommen und häufig vergessen, weiter mit seinen Ressourcen zu arbeiten. Und hier liegt das Problem – viele arbeiten nicht mehr mit ihren Ressourcen.

DIE EIGENEN KRAFTQUELLEN (WIEDER-)FINDEN

Gemeinsam mit der coachenden Begleitung oder allein beginnt die Person herauszufinden, welche Dinge ihr Freude bereiten; welche ein gutes Gefühl vermitteln; wonach sich das Gefühl von Zufriedenheit, dies getan zu haben, einstellt. Kurzum, man begibt sich auf die Suche nach den eigenen Kraftquellen. Dies können z.B. Hobbys, bestimmte Aktivitäten oder eine bestimmte Umgebung sein.

„Auch wenn es banal klingen mag, vergisst man häufig, was Freude bereitet und Kraft gibt“

Auch wenn es banal klingen mag, vergisst man häufig, was Freude bereitet und Kraft gibt. Man hört damit irgendwann – aus verschiedenen Gründen – auf und hat damit einen Kraftgeber verloren. Dies ist nicht weiter schlimm und passiert einfach. Verliert man jedoch immer mehr Ressourcen, ist irgendwann die Kraft und die Motivation weg.

YOU CAN’T POUR FROM AN EMPTY CUP, DARLING

Gedanken wie „Ich muss erst noch …, dann,“ oder „um meine Bedürfnisse kann ich mich später kümmern, erst kommen die anderen“ sorgen dafür, dass die eigenen Batterien nicht mehr aufgeladen werden. Irgendwann läuft man nur noch auf Reserve. Doch auch diese ist begrenzt.

„Irgendwann läuft man nur noch auf Reserve. Doch auch diese ist begrenzt“

Erinnern Sie sich an die Worte während der Sicherheitsbelehrung im Flugzeug: „Bitte setzen Sie erst sich die Maske auf; dann anderen Menschen, die es allein nicht können.“
Oder, wie ich es auch gern beschreibe: – „You can’t pour from an empty cup, darling“ – man kann nicht aus einer leeren Tasse einschenken.
Die wenigsten würden versuchen, ohne Schlaf, mit leerem Magen und großem Durst einen Marathon zu laufen – oder irgendetwas anderes anzugehen. Man kann nur das geben, was man auch hat. Sind die Reserven leer, ist da nichts mehr, um etwas zu geben, zu starten oder zu verändern.

FIRST THINGS FIRST: RESSOURCENARBEIT

Ihre Reserven, oder besser gesagt, Ihre Ressourcen, müssen aufgefüllt sein, um Kraft zu haben. Denn aus Ihren Ressourcen gewinnen Sie Ihre Kraft für alle weiteren Tätigkeiten.

„Denn aus Ihren Ressourcen gewinnen Sie Ihre Kraft für alle weiteren Tätigkeiten“

Denken Sie an das gute Gefühl, dass sich einstellt, wenn Sie einem Ihrer Hobbys nachgehen. Wenn Sie endlich wieder den Pinsel in die Hand genommen haben, tanzen oder joggen waren. Wenn Sie endlich wieder die Zeit gefunden haben, ins Museum zu gehen, mit einem Kaffee in der Hand in den Himmel zu schauen oder Schach zu spielen.
Diese Tipps kann man immer wieder lesen. Von „Me- Time“ ist die Rede, von „Gehen Sie in den Wald, das ist wichtig für Körper und Geist“, und trotzdem werden sie häufig ignoriert. Vielleicht liegt das daran, dass nicht gesagt wird, wofür diese Maßnahmen dienlich sind. Oder es liegt daran, dass diese Tipps nicht geeignet sind, Ihre persönlichen Ressourcen aufzufüllen. Schließlich stellt nicht für jede/n ein Besuch im Museum eine kraftspendende Aktivität dar.

DIE JURISTINNEN UND JURISTEN DA ABHOLEN, WO SIE STEHEN

Gerade wir Juristinnen und Juristen neigen dazu, gern genau wissen und verstehen zu wollen, wieso wir etwas machen sollen. Häufig entsteht mit diesem Verständnis erst die Bereitschaft, etwas Neues zu probieren. Ansonsten kann es schon passieren, dass man sich merkwürdig – wenn nicht sogar albern – vorkommt, wenn man auf einmal darüber reden soll, was man als Kind gern gespielt hat.
Aber diese Frage kann eine Möglichkeit darstellen, sich daran zu erinnern, was als Kind früher Spaß gemacht hat, und zu überlegen, ob dies vielleicht auch heute noch (eventuell in abgewandelter Form) etwas wäre, das Ihnen Freude bereitet und damit Ihre Ressourcen auffüllt.
Als Coach erkläre ich daher gern vor der Ressourcenarbeit, wieso diese in meinen Augen so sinnvoll ist. Und wieso ich vielleicht danach frage, was man als Kind gern gespielt oder welche unternommene Reise besonders gefallen hat.
Die Arbeit besteht an dieser Stelle darin zu erkennen, welche Aktivitäten für meinen Gegenüber eine Ressource darstellen. Und wie diese vielleicht wieder Eingang in das Leben finden können. Damit Kraft und Motivation da ist für die weitere Arbeit, für den Alltag, für das Leben.

FAZIT

Ressourcenarbeit ist wichtig. Sie ist wichtig, wenn Sie Neues beginnen, Dinge verändern oder umsetzen wollen – Dinge, die viele mit einem Coaching erreichen möchten.

„Ressourcenarbeit ist wichtig. Sie ist wichtig, wenn Sie Neues beginnen, Dinge verändern oder umsetzen wollen“

Genauso wie Sie gut ausgeruht und genährt in den Marathon starten, Ihre Maske im Flugzeug zuerst sich aufsetzen und Sie nur aus einer vollen Tasse einschenken können, sollten Sie darauf achten, mit gut gefüllten Ressourcen im Alltag und im Coaching unterwegs zu sein. Und so lasse ich Sie nun auf die Suche nach Ihren Ressourcen gehen mit den Fragen: „Was hat Ihnen als Kind besonders viel Freude bereitet? Was haben Sie gern in Ihrer Freizeit gemacht?“.

Exklusiv für Mitglieder | Heft 03/2023 | 72. Jahrgang