Wirkung zählt: Public Speaking für Rechtsanwält:innen
Rückblick auf das 7. IWR-Camp in Frankfurt am Main
Ende Februar fand in Frankfurt am Main das 7. IWRCamp statt, eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft für Internationales Wirtschaftsrecht. Organisiert wurde sie von Adi Seffer (Frankfurt am Main), Maximilian Krämer (München) sowie dem Autor selbst. Die IWR-Camp- Reihe widmet sich seit mehreren Jahren jeweils im Februar gezielt Soft-Skill-Themen, die für die anwaltliche Praxis im internationalen Umfeld von besonderer Bedeutung sind. Das Format richtet sich insbesondere an junge sowie international tätige Rechtsanwält:innen, die ihre berufliche Entwicklung nicht nur fachlich, sondern auch persönlich und kommunikativ vorantreiben möchten.

Dr. Jan Hermeling | Rechtsanwalt und Mediator | Fachanwalt für Internationales Wirtschaftsrecht | Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses der Arbeitsgemeinschaft für Internationales Wirtschaftsrecht | TIGGES Rechtsanwälte Partnerschaft mbB | www.tigges.legal
Das diesjährige IWR-Camp behandelte das Thema „Public Speaking for Lawyers: Wirkungsvoll sprechen – souverän überzeugen“. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie anwaltliche Expertise so vermittelt werden kann, dass sie nicht nur juristisch überzeugt, sondern auch verständlich ankommt, Vertrauen schafft und nachhaltig wirkt – in Mandantengesprächen ebenso wie in internationalen Verhandlungen oder auf Konferenzen.
KOMMUNIKATION ALS SCHLÜSSELKOMPETENZ
Gerade im internationalen Wirtschaftsrecht spielt Kommunikation eine zentrale Rolle. Unterschiedliche kulturelle Erwartungen, Sprachräume und Gesprächssituationen stellen hohe Anforderungen an anwaltliche Auftritte. Das IWR-Camp griff diese Herausforderungen bewusst auf und setzte dabei nicht auf rein theoretische Wissensvermittlung, sondern auf einen hochgradig interaktiven Workshop-Charakter.
Geleitet wurde die Veranstaltung von Dr. Melchior Glatthard, Rechtsanwalt, Notar und Auftrittscoach. Er vereinte juristische Fachkenntnis mit langjähriger Erfahrung im professionellen Rhetoriktraining. Als Europameister im öffentlichen Reden, TEDx-Speaker und Dozent verstand er es, die Teilnehmenden nicht nur anzuleiten, sondern aktiv einzubinden.
INTERAKTIVES TRAINING UND BEWUSSTE SELBSTREFLEXION
Ein prägendes Merkmal des Workshops war seine konsequente Ausrichtung auf Interaktion, eigenes Ausprobieren und Selbstre exion. Die Teilnehmenden wurden immer wieder dazu angeregt, ihre eigene Wirkung bewusst wahrzunehmen, zu re ektieren und unmittelbar weiterzuentwickeln. Durch praktische Übungen, kurze Auftritte und gezielte Rückmeldungen entstand ein Lernprozess, der weit über klassische Fortbildungsformate hinausging.
„Ziel ist nicht Perfektion, sondern Wirkung und Authentizität“
Neben Stimme, Körpersprache und sprachlicher Klarheit ging es zunehmend darum, die eigene Rolle als Rechtsanwältin und Rechtsanwalt kritisch zu hinterfragen. Wie wirke ich in unterschiedlichen Situationen? Wie klar transportiere ich meine Argumente? Und welche Signale sende ich – bewusst oder unbewusst – an mein Gegenüber? Diese Fragen standen im Zentrum vieler Übungssequenzen und machten den Workshop besonders nachhaltig.
STRUKTUR UND KLARHEIT IN DER DARSTELLUNG
Eng verknüpft mit der persönlichen Wirkung war das Thema der inhaltlichen Struktur. Die Teilnehmenden arbeiteten daran, komplexe Sachverhalte verständlich aufzubauen und adressatengerecht zu präsentieren. Dabei wurde deutlich, dass überzeugende Argumentation weniger von Detailtiefe als von Klarheit, Struktur und innerer Logik lebt.
„Überzeugende Kommunikation ist im internationalen Wirtschaftsrecht eine Kernkompetenz“
AUSTAUSCH AUF AUGENHÖHE
Neben dem fachlichen Programm bot das IWR-Camp auch Raum für persönlichen Austausch. Der informelle Rahmen, unter anderem beim gemeinsamen Auftakt am Vorabend und dem gemeinsamen Besuch einer traditionellen Apfelweinwirtschaft am zweiten Abend, förderte den Dialog unter Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Kanzleien, Tätigkeitsfeldern und Rechtsordnungen. Schön war auch, dass zahlreiche Teilnehmende die weite Reise aus anderen Ländern auf sich genommen haben. Damit bestätigte sich erneut der Netzwerkgedanke, der die IWR-Camp-Reihe seit jeher begleitet.
FAZIT
Das 7. IWR-Camp hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll interaktive Formate zu Soft-Skill-Themen für die anwaltliche Fortbildung sein können. Durch aktives Üben, unmittelbares Feedback und gezielte Selbstre exion wurde deutlich, dass überzeugende Kommunikation erlernbar ist – und im internationalen Wirtschaftsrecht zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren zählt. Die Veranstaltung fügte sich damit nahtlos in die bewährte IWR-Camp-Reihe ein und setzte zugleich inhaltlich wie didaktisch neue Akzente.










