Workation für Freiberufler und Selbständige

Herausforderungen und Nachteile

Viele von uns denken bei dem Begriff Workation immer nur an fest angestellte Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerinnen. Die Rechte und Pflichten der Belegschaft wurden inzwischen in zahlreichen Publikationen erörtert und werden sicherlich auch bald die Arbeitsgerichte in Anspruch nehmen. Aber warum nicht auch wir Freiberufler? Wir müssten doch auch die Möglichkeit haben, die Arbeit mit dem Urlaub zu verbinden.

Claudia Frank | Fachanwältin für Arbeits- und SteuerR | Vorsitzende der Vertreterversammlung der VBG | Im Vorstand des BAV | Probandt PartGmbB

Die Workation beschreibt die Verschmelzung von Arbeit und Urlaub. Sie ist kein Ersatz für einen Urlaub alleine oder mit der Familie, weit weg von jeglicher Arbeit. Viele erzählen mir, dass schon ein verlängertes Wochenende zu einer Erholung geführt habe. Warum also nicht auch eine Workation buchen?

Sie meinen, diese Ortsunabhängigkeit und freie Gestaltung unserer Freizeit hätten wir Freiberufler immer? Falsch: Gerade wir Freiberufler profitieren in besonderem Maße von einer Workation. Jeder von uns kennt das. Vor dem Urlaub arbeiten wir mindestens eine Woche komplett durch, damit nichts liegen bleibt und uns im Urlaub belastet. Doch schon im Flieger zurück steigt vor uns das Bild eines übervollen Schreibtisches auf, sofern wir nicht schon in den letzten Tagen angefangen haben, die 100 E-Mails zu beantworten und Schreiben zu fertigen. Bevor wir also wieder in den Arbeitsalltag eintauchen, ist die halbe Erholung weg.

Daher ist es sinnvoll, über andere Modelle nachzudenken, die die Fusion von Urlaub und Arbeit ganz bewusst nutzen, zumindest sollten wir es ausprobieren. Wir verlegen unseren Arbeitsplatz für eine begrenzte Zeit an einen attraktiven Ort im In- oder Ausland, um dort wichtige Aufgaben zu erledigen und gleichzeitig die Vorzüge des Standortes (z.B. Kultur, Natur, Klima) zu genießen. Nicht wie im Urlaub, strikt digital detox und das Anmerken der Familie: „Du bist doch im Urlaub“, sondern bewusst den Arbeitsplatz verlegen und damit die Arbeitszeit reduzieren. Dies kann der Strand sein, eine bezaubernde Stadt, Natur oder auch eine Hütte in den Bergen. Der Freiberufler kann so seine Produktivität und Kreativität erheblich steigern.

Wir machen Urlaub, um uns zu erholen. Gut, aber wir wollen doch auch inspiriert werden. Ein Perspektivwechsel hilft uns, neue Ideen oder eine ganz andere Herangehensweise auszuprobieren. Neue Umgebungen, Kulturen und Eindrücke wirken inspirierend und können frische Ideen liefern. Die Verlegung des Arbeitsplatzes erhöht die Motivation: Die Aussicht, je nach Plan, nach getaner Arbeit seinen liebsten Freizeitaktivitäten nachzugehen, maximiert die Produktivität und steigert die Arbeitslust. Der Ortswechsel, das „Wegsein vom Alltag“ und das Gefühl von „Urlaub“ können neue Kraft und Energie geben, was zur langfristigen mentalen und körperlichen Gesundheit beiträgt. Also die persönliche Freiheit und Unabhängigkeit ganz bewusst einmal nutzen. Wir können den Arbeitsbeginn und sein Ende bestimmen, wir können den Arbeitsort jeden Tag woanders einrichten oder immer an dem gleichen Tisch beim Griechen an der Ecke, oder im Sonneneck des Ferienhauses, je nach Wetter und Laune. Wir können das Telefon stumm schalten und erst am nächsten Morgen Telefonate abarbeiten. Die E-Mails dürfen nur alle zwei Stunden unseren Alltag stören und ab 13 Uhr werden sie gar nicht mehr gelesen.

Die Arbeit im Ausland – oder auch in einem anderen Bundesland – bietet die Chance, andere kreative und spannende Menschen zu treffen, Synergien zu schaffen und das berufliche Netzwerk international auszubauen.

HERAUSFORDERUNGEN UND NACHTEILE – DAS MUSS JEDER WISSEN!

Obwohl Workation attraktiv klingt, birgt sie auch spezifische Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf Selbstmanagement und rechtliche Aspekte.

„Die Workation bietet spezifische Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf Selbstmanagement und rechtliche Aspekte“

Herausforderungen im Selbstmanagement, Disziplin und Selbstorganisation: Die Trennung von Arbeit und Freizeit verschwimmt, was ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Selbstdisziplin und Zeitmanagement erfordert.

Gefahr der Überlastung: Die Verlockung, ständig erreichbar zu sein oder Arbeit und Freizeit zu stark zu vermischen, kann dazu führen, dass die notwendige Erholung und das eigentliche Ziel nicht erreicht wird. Und klar, Workation kann den vollwertigen Urlaub nicht ersetzen.

Ablenkungen: Die attraktive Umgebung kann schnell zur Ablenkung werden.

Technische und logistische Hürden: Eine zuverlässige und schnelle Internet- und Stromversorgung ist die absolute Grundvoraussetzung.

Erreichbarkeit für Mandanten oder Kunden: Freiberufler müssen sicherstellen, dass sie ihre Mandanten/Kunden trotz Zeitverschiebung und neuer Umgebung professionell betreuen können. Die Kommunikationsfähigkeit ist entscheidend.

IMMER IM BLICK HABEN

Rechtliche und steuerliche Aspekte: Sie müssen eine Workation sehr gut planen. Als Freiberufler ist man selbst für die Einhaltung aller Vorgaben verantwortlich.

Aufenthaltsbestimmungen und Visa: Ein reguläres Touristenvisum erlaubt in vielen Ländern keine Arbeitstätigkeit – auch nicht für den eigenen ausländischen Auftraggeber.

Spezielle Visa: Einige Länder bieten spezielle Remote Working Visa oder Digital Nomad Visa an, die längere Aufenthalte zum Arbeiten legalisieren. Innerhalb der EU gelten natürlich die Freizügigkeitsrechte. Doch in Asien, Kanada oder auch USA müssen die jeweiligen Visumsbestimmungen des Gastlandes beachtet werden.

Das liebe Finanzamt will von Ihrer Arbeit wie immer ein Stück abhaben. Grundsätzlich bleibt die Steuerpflicht in Deutschland bestehen, wenn der Lebensmittelpunkt (Wohnsitz, Familie, soziale/geschäftliche Kontakte) in Deutschland ist und man sich weniger als 183 Tage im Gastland aufhält. Dann haben wir mit vielen Ländern Doppelbesteuerungsabkommen (DBA), die verhindern sollen, dass doppelt Steuern gezahlt werden müssen. Bei längeren Aufenthalten oder dem Mieten eines festen Büros im Ausland können jedoch steuerliche Probleme entstehen, die am besten entweder mit KI oder mit dem Steuerberater zu klären sind.

Ein ganz wesentlicher Punkt im Zusammenhang mit unserer Einkommensteuer ist die Absetzbarkeit von Kosten. Bei einer Workation entstehen gemischte Reisekosten, da Sie ja nicht nur berufliche und damit absetzbare Kosten haben, sondern auch Kosten, die der privaten Lebensführung zugeschlagen werden. Wenn Sie also ein Ferienhaus anmieten, dass können Sie auch im Ausland nur die Miete für das Arbeitszimmer absetzen, nicht für die ganze Ferienwohnung oder -haus. Alle Kosten für eine Workation können nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein geschäftlicher Anlass der Reise nach weisbar ist.

Wie auch in Deutschland, müssen Sie zwischen den privaten und geschäftlichen Anteilen trennen: Es muss eine strikt getrennte Berechnung der betrieblich veranlassten Anteile der Ausgaben (z. B. Flug, Unterkunft) erfolgen.

Die absetzbaren Posten, wie Fahrtkosten, Übernachtungsaufwendungen und Verpflegungsmehraufwand (innerhalb der geltenden Pauschalen und Fristen) sind ebenfalls genau aufzulisten und von den privaten Ausgaben zu trennen. Doch das kennen wir auch, sofern wir in Deutschland mobil arbeiten oder im Homeoffice.

„Für Freiberufler bietet die Workation eine einzigartige Möglichkeit, die berufliche Flexibilität maximal auszuschöpfen, die Kreativität zu fördern und eine bessere Work-Life-Balance zu erreichen“

Für Freiberufler bietet die Workation ungeachtet dessen eine einzigartige Möglichkeit, die berufliche Flexibilität maximal auszuschöpfen, die Kreativität zu fördern und eine bessere Work-Life-Balance zu erreichen. Sie erfordert jedoch eine intensive Planung und ein ausgeprägtes Maß an Selbstmanagement, um die rechtlichen Fallstricke und die Gefahr der Überarbeitung zu vermeiden.

Heft 12 | 2025 | 74. Jahrgang